
Berlin, 19. Jan (Reuters) - Deutschland und Frankreich wollen mit einer gemeinsamen Initiative die Finanzierung für schnell wachsende junge Unternehmen in Europa verbessern. Ein von beiden Regierungen in Auftrag gegebener Expertenbericht schlägt nach Angaben aus dem Bundesfinanzministerium weitreichende Reformen der Kapitalmärkte vor, um die Abwanderung solcher Firmen in die USA zu verhindern. Finanzminister Lars Klingbeil und sein französischer Kollege Roland Lescure stellen die Vorschläge am Montag in Berlin vor.
Das Papier wurde vom früheren Finanzminister Jörg Kukies und dem ehemaligen französischen Notenbankchef Christian Noyer verfasst. Im Fokus stehen vor allem sogenannte Scale-ups. Das sind junge Unternehmen, die nach einer ersten Gründungsphase schnell wachsen wollen.
Der Bericht identifiziert gerade für diese Firmen eine Finanzierungslücke in Europa als zentrales Hindernis. Die begrenzte Verfügbarkeit von Wagniskapital zwinge vielversprechende Unternehmen häufig dazu, ihren Standort ins Ausland zu verlagern oder dort nach Finanzierung zu suchen. Dem Bericht zufolge fehlt es insbesondere an Investitionen durch institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionsfonds.
Um die Lücke zu schließen, schlagen die Experten fünf zentrale Maßnahmen vor. Dazu zählen eine Reform der privaten und betrieblichen Altersvorsorgesysteme, um mehr Kapital für Innovationen zu mobilisieren. Bestehende Förderinitiativen sollen EU-weit ausgebaut und der Zugang für private Investoren erleichtert werden. Zudem soll eine einheitliche EU-weite Unternehmensrechtsform den bürokratischen Aufwand senken.
Um Börsengänge attraktiver zu machen, wird zudem eine Vereinfachung der Regeln für die erste Zeit nach der Emission vorgeschlagen sowie ein eigener "European Innovation Market" zur Steigerung der Sichtbarkeit.