
Berlin, 14. Jan (Reuters) - Chinas Wirtschaft hat 2025 trotz der US-Strafzölle mit einem Rekord-Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar abgeschlossen. Dies ist vor allem auf boomende Exporte in Märkte außerhalb der USA zurückzuführen, wie am Mittwoch aus Zolldaten hervorging. Die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stiegen im Dezember im Jahresvergleich um 6,6 Prozent, während die Einfuhren um 5,7 Prozent zulegten. Beide Werte übertrafen die Prognosen von Analysten deutlich. Der Überschuss entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung eines G20-Staates wie Saudi-Arabien.
Die chinesischen Hersteller konnten die seit der Rückkehr von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus verhängten Zölle durch eine Verlagerung auf andere Märkte abfedern. So brachen die Exporte in die USA im Dollarwert 2025 um 20 Prozent ein, während die Ausfuhren nach Afrika um 25,8 Prozent und in die südostasiatische Staatengruppe Asean um 13,4 Prozent zunahmen. Die Lieferungen in die EU wuchsen um 8,4 Prozent. "Durch stärker diversifizierte Handelspartner wurde die Fähigkeit (Chinas), Risiken zu widerstehen, erheblich verbessert", sagte der stellvertretende Leiter der chinesischen Zollverwaltung, Wang Jun, auf einer Pressekonferenz.
Ähnlich äußerte sich Sandro Pannagl von der Landesbank Baden-Württemberg. "Das Rekordwachstum in andere Regionen unterstreicht Chinas industrielle Stärke und zunehmende Diversifizierung in Richtung Schwellenländermärkte." Insbesondere der anhaltende KI-Boom sowie die hohe Nachfrage nach chinesischen Elektrofahrzeugen wirkten als Motor für die chinesische Industrie. Anfang 2026 dürfte sich die Resilienz des Exportsektors fortsetzen - allerdings mit zunehmenden externen Risiken, erklärte der LBBW-Analyst. "Der hohe Exportüberschuss riskiert protektionistische Gegenreaktionen anderer Handelspartner." Und die unberechenbare Zoll- und Außenpolitik der Trump-Regierung wird auch 2026 erhalten bleiben.
STARKE EXPORTE - SCHWACHE BINNENNACHFRAGE
Experten zufolge ist der Exporterfolg jedoch auch ein Zeichen der Schwäche im Inland. "Die chinesische Wirtschaft ist nach wie vor außerordentlich wettbewerbsfähig", sagte Fred Neumann, Chefvolkswirt für Asien bei der Großbank HSBC. "Dies spiegelt zwar Produktivitätssteigerungen und die zunehmende technologische Raffinesse der chinesischen Hersteller wider, ist aber auch auf die schwache Inlandsnachfrage und die damit verbundenen Überkapazitäten zurückzuführen." Wachsende Handelsüberschüsse könnten die Spannungen mit Handelspartnern erhöhen, vor allem mit solchen, die selbst auf Exportindustrien angewiesen seien.
Die Spannungen mit der US-Regierung dürften zudem anhalten. Trump hat jüngst gedroht, einen Strafzoll von 25 Prozent auf Länder zu erheben, die mit dem Iran Handel treiben. Dies könnte die Beziehungen zu Peking erneut belasten, da China als größter Handelspartner der Regierung in Teheran gilt. "Trumps Drohung unterstreicht das Potenzial für erneute Handelsspannungen zwischen den USA und China", sagte Zichun Huang, China-Ökonomin bei Capital Economics.