
London, 12. Jan (Reuters) - Wegen möglicher Gesetzesverstöße hat die britische Medienaufsicht Ofcom Ermittlungen gegen den Kurznachrichtendienst X eingeleitet. Das US-Unternehmen des Milliardärs Elon Musk habe mutmaßlich zugelassen, dass die Künstliche Intelligenz (KI) Grok sexualisierte Bilder generiert, teilte die Behörde am Montag mit. Diese seien dann über X geteilt worden. Laut Ofcom könne dies als Pornografie und sexueller Kindesmissbrauch gedeutet werden.
In Großbritannien ist die Verbreitung intimer Fotos ohne die Zustimmung der Betroffenen illegal. Dies gilt auch für Bilder, die mithilfe von KI erzeugt oder manipuliert wurden. Ofcom kann bei Gesetzesverstößen Werbetreibende und Zahlungsabwickler gerichtlich anweisen lassen, ihre Zusammenarbeit mit einer Internet-Plattform einzustellen. Die Behörde kann zudem den Zugang zu Webseiten blockieren lassen.
X steht wegen sexualisierter Bilder seit Tagen weltweit in der Kritik. Grok kann unter anderem auf hochgeladenen Bildern von Personen deren Kleidungsstücke entfernen oder sie in sexuell eindeutigen Posen darstellen. Teilweise wurden auch Fotos von Kindern in dieser Weise manipuliert. Der britische Premier Keir Starmer bezeichnete dies als "widerwärtig" und "rechtswidrig". Musks Firma müsse die KI "in den Griff bekommen". Ofcom habe die volle Unterstützung seiner Regierung, um gegen X vorzugehen. Die Europäische Union (EU) hat X wegen der Vorfälle angewiesen, bis zum Jahresende alle Dokumente und Daten zu Grok aufzubewahren.
Nach britischem Recht sind Internet-Plattformen dazu verpflichtet, die Verbreitung rechtswidriger Inhalte zu verhindern. Zudem müssen sie diese umgehend löschen. Als Reaktion auf die Kritik hat X den Zugriff auf die Bild-Funktionen von Grok eingeschränkt. Derzeit könnten lediglich zahlende X-Nutzer darauf zugreifen. Die von X unabhängige, eigenständige Grok-App lieferte zunächst jedoch weiter sexualisierte Bilder. Vergangene Woche hatte X betont, illegale Inhalte zu löschen und Nutzer gegebenenfalls von der Plattform zu verbannen. Auf eine erneute Nachfrage zu diesem Thema antwortete der Kurznachrichtendienst: "Etablierte Medien lügen."
Der umstrittene Milliardär Musk, der rechtspopulistische Parteien unterstützt, wehrt sich gegen die Regulierung seiner Dienste. In der EU ist X wie alle sozialen Plattformen dem Digital Services Act (DSA) unterworfen. Dieser verpflichtet Online-Firmen unter anderem dazu, gegen illegale Inhalte im Internet vorzugehen. Musk wird bei seiner Kritik an derartiger Regulierung von der US-Regierung unterstützt. Beide werfen den Europäern Zensur und Unterdrückung der Meinungsfreiheit vor.
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