
Vatikanstadt, 09. Jan (Reuters) - Papst Leo hat einen weltweit zunehmenden Einsatz militärischer Gewalt zur Durchsetzung diplomatischer Ziele und eine schwindende Meinungsfreiheit im Westen beklagt. Eine Diplomatie, die den Dialog fördere, werde durch eine ersetzt, die auf Gewalt basiere. "Der Krieg ist wieder in Mode und der Eifer für den Krieg breitet sich aus", sagte der Pontifex am Freitag in einer ungewöhnlich scharfen jährlichen außenpolitischen Rede vor den rund 184 beim Vatikan akkreditierten Botschaftern. In diesem Zusammenhang kritisierte das Oberhaupt der katholischen Kirche eine Schwäche internationaler Organisationen angesichts globaler Konflikte. Dies sei "ein besonderer Grund zur Sorge".
Auch die Meinungsfreiheit steht nach Ansicht des Papstes unter Druck. "Es ist schmerzlich zu sehen, wie vor allem im Westen der Raum für echte Meinungsfreiheit rapide schrumpft", sagte Leo in seiner Rede zur Lage der Welt. "Es entwickelt sich eine neue Sprache im Orwell'schen Stil, die in dem Versuch, immer inklusiver zu sein, am Ende diejenigen ausschließt, die sich diesen Ideologien nicht anpassen", sagte der Papst. Er forderte zudem ein Recht darauf, den Militärdienst aus Gewissensgründen abzulehnen. Auch Ärzte müssten sich wegen ethischer Bedenken weigern dürfen, bei Abtreibungen mitzuwirken oder Sterbehilfe zu leisten.
Mit Blick auf die Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro durch US-Präsident Donald Trump am vergangenen Wochenende rief der Papst die Regierungen der Welt dazu auf, künftig "den Willen" des venezolanischen Volkes zu respektieren. Die Menschen- und Bürgerrechte der Venezolaner müssten geschützt werden. Leo war im Mai zum ersten Papst aus den USA gewählt worden.