
Washington, 08. Jan (Reuters) - Nach dem Tod einer Frau bei einem Einsatz von US-Einwanderungsbeamten in Minneapolis ist ein Streit zwischen lokalen Behörden und der Regierung von Präsident Donald Trump entbrannt. Die Darstellungen der US-Regierung und lokaler Behörden zum Hergang des Vorfalls widersprechen sich. Heimatschutzministerin Kristi Noem sprach von Notwehr und warf der Frau "inländischen Terrorismus" vor. US-Präsident Donald Trump erklärte, die Frau habe den Beamten überfahren. Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, wies dies jedoch als "völligen Unsinn" zurück und berief sich auf Videos von Augenzeugen. Darin ist zu sehen, wie ein Beamter drei Schüsse auf das Auto der Frau abgibt, während es an ihm vorbeizufahren scheint.
Der Vorfall ereignete sich am Mittwoch im Zuge einer von Präsident Trump angeordneten Aktion gegen Einwanderung, für die 2000 Bundesbeamte in die Region Minneapolis entsandt wurden. Bei der Getöteten handelt es sich um eine 37-jährige US-Bürgerin und Mutter von drei Kindern. Am Donnerstag kam es in der Stadt im Bundesstaat Minnesota zu Protesten. Rund 1000 Demonstranten versammelten sich vor einem Bundesgebäude und beschimpften die anwesenden Sicherheitskräfte als "Mörder". Die Beamten setzten teilweise Tränengas ein.
Zusätzliche Spannungen verursacht der Streit um die Zuständigkeit für die Untersuchung. Die Bundespolizei FBI hat die alleinige Kontrolle über die Ermittlungen übernommen. Daraufhin zog sich die Kriminalpolizeibehörde von Minnesota (BCA) zurück, da sie nach eigenen Angaben keinen Zugang mehr zu Beweismitteln und Zeugenbefragungen erhalte. Gouverneur Tim Walz forderte den Abzug der ICE und versetzte die Nationalgarde in Alarmbereitschaft. Die Schulen in Minneapolis bleiben am Donnerstag und Freitag vorsorglich geschlossen.