
Washington, 06. Jan (Reuters) - Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro ist in Washington ein heftiger politischer Streit über die Strategie der US-Regierung entbrannt. Führende Republikaner versicherten am Montag, dass keine Besetzung des südamerikanischen Landes geplant sei. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, sagte, die USA hätten keine Streitkräfte in Venezuela und würden das Land nicht besetzen. Führende Demokraten zeigten sich jedoch unzufrieden. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, kritisierte, der Plan der Regierung für die Zeit nach Maduro sei vage, basiere auf Wunschdenken und sei unbefriedigend.
Die US-Regierung setzt stattdessen auf Kräfte aus dem Umfeld Maduros und übergeht damit die prominente Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado. Am Montag wurde Maduros Vize-Präsidentin Delcy Rodriguez als Interimspräsidentin vereidigt. US-Präsident Donald Trump begründete die Entscheidung damit, dass Machado nicht die Unterstützung oder den Respekt innerhalb des Landes habe. Machado, die sich zur Entgegennahme des Nobelpreises derzeit im Ausland aufhält, erklärte ihrerseits, die US-Aktion sei ein riesiger Schritt für die Menschheit. Die Strategie der USA deckt sich mit einem CIA-Bericht, der empfohlen hatte, zur Wahrung der Stabilität auf Maduro-treue Kräfte zu setzen.
Der entmachtete Präsident Maduro plädierte unterdessen am Montag vor einem Gericht in New York auf nicht schuldig. Ihm wird Drogenhandel vorgeworfen.
Die Festnahme Maduros beflügelte die Aktien von US-Ölkonzernen. Anleger setzen auf einen möglichen Zugang zu den riesigen Ölreserven Venezuelas. Die Papiere von Chevron, dem einzigen großen US-Konzern mit verbliebenen Aktivitäten in dem Land, stiegen um fünf Prozent. Auch Aktien von Raffineriebetreibern und Öldienstleistern legten teils kräftig zu. US-Präsident Trump stellte zudem Subventionen für Ölkonzerne in Aussicht, um die Energieinfrastruktur Venezuelas wieder aufzubauen.
In Venezuela selbst kehrte nach der US-Militäraktion teilweise wieder Normalität ein, die Lage blieb jedoch angespannt. Viele Geschäfte öffneten wieder, auch wenn die Straßen leerer waren als üblich. Zahlreiche Menschen seien aus finanzieller Not zur Arbeit zurückgekehrt. Eine 41-jährige Fahrerin sagte, ob mit Angst oder ohne, man müsse essen.