
Berlin/Paris, 16. Dez (Reuters) - Eine Entscheidung zum gemeinsamen Kampfjet-Projekt FCAS könnte Insidern zufolge noch einmal verschoben werden. Die französische Seite dringe darauf, sagten mehrere mit dem Projekt Vertraute am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Ein gemeinsam gebautes Flugzeug als Kern des 100-Milliarden-Vorhabens sei ohnehin in die Ferne gerückt: "Das ist jetzt sehr unwahrscheinlich", sagte ein Insider mit Kenntnis der Gespräche der Verteidigungsminister von Deutschland, Frankreich und Spanien in der vergangenen Woche in Berlin. Auch eine Kooperation bei der "Combat Cloud" und dem Drohnensystem, das zu FCAS gehört, sei schwierig.
Eine Entscheidung über die nächste Projektstufe sollte eigentlich am Rande des Treffens der europäischen Staats- und Regierungschefs in dieser Woche in Brüssel fallen. Deutschland wolle aber einen öffentlichen Streit mit Frankreich vermeiden, da man bereits beim Handelsabkommen Mercosur und dem eingefrorenen russischen Vermögen Differenzen habe, hieß es.
Im Zentrum der Debatte steht eine Pattsituation zwischen den Industriepartnern Dassault AM.PA (Frankreich) und Airbus AIR.PA (Deutschland). Dassault hat einen klaren Führungsanspruch formuliert, was die deutsche Seite nicht mit den bisherigen Abmachungen für vereinbar hält. FCAS soll den Plänen zufolge ab 2040 den Eurofighter ersetzen. Das französische und das deutsche Verteidigungsministerium äußerten sich zunächst nicht.
Der Konflikt wurzelt in den unterschiedlichen militärischen Anforderungen an das neue Kampfflugzeug. Frankreich benötigt aufgrund seines Flugzeugträgers und zur nuklearen Abschreckung ein Flugzeug mit Trägerfähigkeit. Dies erfordert ein deutlich schwereres Fahrwerk, eine andere Waffenintegration und ein anderes Triebwerk. Deutschland hingegen hat keinen Flugzeugträger und plant für die nukleare Teilhabe mit der F-35 aus den USA, weshalb die Anforderungen an einen klassischen Jäger anders ausfallen.