
London/New York, 16. Dez (Reuters) - Die BBC gibt sich im milliardenschweren Rechtsstreit mit US-Präsident Donald Trump wegen einer umstrittenen TV-Sendung kämpferisch. "Wie wir bereits zuvor deutlich gemacht haben, werden wir uns in diesem Fall verteidigen", bekräftigte ein Sprecher der britischen Rundfunkanstalt am Dienstag. Weitere Äußerungen lehnte er angesichts des laufenden Verfahrens ab. Zuvor hatte sich die BBC bereits bei Trump entschuldigt und Fehler eingeräumt, aber zugleich erklärt, dass es aus ihrer Sicht keine rechtliche Grundlage für eine Klage gebe. "Es ist richtig, dass die BBC in diesem Punkt standhaft bleibt", betonte der britische Staatssekretär Stephen Kinnock in einem Gespräch mit dem Sender Sky News.
Trump fordert bis zu zehn Milliarden Dollar Schadenersatz. In einer am Montag in Miami eingereichten Klage wirft er dem öffentlich-rechtlichen Sender Verleumdung sowie unfaire Handelspraktiken vor. Es geht um einen TV-Beitrag, den die BBC kurz vor der US-Präsidentschaftswahl 2024 ausstrahlte und in dem sie Passagen einer Rede von Trump vom 6. Januar 2021 zusammengeschnitten hatte. Nach der Rede hatten Trump-Anhänger das Kapitol gestürmt. Die BBC hatte eingeräumt, dass durch die Aneinanderreihung der Redeausschnitte der fälschliche Eindruck entstehen könnte, als ob Trump direkt zur Gewalt aufgerufen habe. Sie entschuldigte sich dafür, und im November erklärten Senderchef Tim Davie und Nachrichtenchefin Deborah Turness ihre Rücktritte.
TRUMP: BBC ZEIGT KEINE ECHTE REUE
In seiner Klage führt Trump jedoch an, die BBC habe trotz ihrer Entschuldigung "weder echte Reue für ihr Fehlverhalten gezeigt noch bedeutende institutionelle Änderungen vorgenommen, um künftige journalistische Missbräuche zu verhindern". Ein Sprecher von Trumps Anwaltsteam warf der BBC zudem vor, seit langem "ihre Zuschauer in der Berichterstattung über Präsident Trump zu täuschen, nur um ihrer eigenen linken politischen Agenda zu dienen". Trump hat seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus auch gegen andere Medien Verleumdungsklagen eingereicht, die zum Teil mit millionenschweren Vergleichen beigelegt wurden.
Für die BBC stellt der Fall eine der schwersten Krisen in ihrer mehr als 100-jährigen Geschichte dar. Die Sendeanstalt wird derzeit hauptsächlich durch eine Rundfunkgebühr in Höhe von jährlich 174,50 Pfund (etwa 200 Euro) pro Haushalt finanziert. Die britische Regierung kündigte am Dienstag an, die Finanzierung der Anstalt zu überprüfen, um sie "zukunftssicher" zu machen. Erwogen werden Reformen, darunter Optionen, mehr kommerzielle Einnahmen zu generieren. Außerdem soll explizit die Finanzierung des "World Service" geprüft werden, der jede Woche weltweit 453 Millionen Menschen erreicht.