
München, 09. Sep (Reuters) - Der Automobilverband VDA hat zur Eröffnung der Messe IAA in München am Dienstag einmal mehr die Politik zu Reformen und einer Kurskorrektur der Klimaschutzvorgaben aufgefordert. Die derzeit kriselnde Branche brauche bessere Rahmenbedingungen mit weniger Bürokratie, niedrigeren Steuern und günstigeren Energiepreisen, forderte VDA-Präsidentin Hildegard Müller bei der Eröffnungsfeier mit Bundeskanzler Friedrich Merz in München. "Wenn die Autoindustrie hierzulande auch in Zukunft eine Erfolgsgeschichte für Wohlstand, Wachstum, Beschäftigung – für die Menschen und für das Klima – sein soll, dann muss die Politik in Berlin und Brüssel jetzt endlich liefern."
Die Autolobby drängt die Europäische Union, von der Vorgabe abzurücken, ab 2035 ausschließlich emissionsfreie Neuwagen zuzulassen. Das faktische Verbot von Verbrennungsmotoren und die damit verbundene einseitige Festlegung auf den batterieelektrischen Antrieb müsse überwunden werden, erklärte Müller. "Flexibilisierung und technologische Handlungsoptionen sind zwingend notwendig." Die Autoindustrie bekennt sich zwar weiter zu Klimaschutz und investiert massiv in Elektroautos. Doch die Kunden stellen sich nicht so schnell um, wie ursprünglich gedacht. Deshalb halten die Hersteller es für unrealistisch, ab 2035 nur noch E-Autos verkaufen zu können.
Die Gewinne der Autokonzerne brachen zuletzt ein, weil die US-Importzölle belasten. Zudem verlieren BMWBMWG.DE, VolkswagenVOWG.DE oder Mercedes-BenzMBGn.DE in China bei hartem Preiskampf gegen die heimische Konkurrenz Marktanteile. Bei Herstellern und Zulieferern werden zig Tausende Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut.
Bundeskanzler Merz lobte die Branche für ihre Anstrengungen und Innovationskraft. "Die Unternehmen auf der Messe zeigen, wie Elektromobilität noch leistungsfähiger, vielfältiger und attraktiver wird." Deutschland habe die besten Voraussetzungen, um auch in Zukunft Autoland Nummer eins zu bleiben. "Deutschland braucht insgesamt wieder ein klares Bekenntnis zum Auto", betonte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Das EU-Verbrennerverbot müsse gestoppt werden, während die Elektromobilität und autonomes Fahren technologisch vorangetrieben werden müssten.