
Berlin, 08. Sep (Reuters) - Das Verhältnis Deutschlands zu den USA und China wird sich in den kommenden Jahren nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich wandeln. "Die USA bewerten ihre Interessen neu, und das nicht erst seit einigen Tagen. Und so müssen auch wir in Europa unsere Interessen justieren, ohne falsche Nostalgie", sagte Merz am Montag zur Eröffnung der deutschen Botschafterkonferenz in Berlin. Die USA blieben wichtigster Partner, mit dem man die enge Abstimmung und Zusammenarbeit suche. "Aber es zeichnet sich ab, dass diese Partnerschaft weniger selbstverständlich sein wird." Wie das Verhältnis sei, hänge von der Stärke der Europäer ab.
Offener als bisher kündigte Merz an, dass man angesichts der weltweit umstrittenen Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump auch an einem neuen Handelssystem arbeiten müsse. Die Welthandelsorganisation WTO sei mittlerweile dysfunktional und erfülle ihre Rolle nicht mehr. "Es ist jetzt unsere Kreativität und unser Engagement, ein neues System von handelspolitischen Regeln und Partnerschaften zu entwickeln", sagte er. Ob die USA diesem System angehören, ließ er offen.
Gegenüber China forderte er eine stärker auf Sicherheit bezogene Politik. Sicher werde man in Klimapolitik oder bei globalen Krisen zusammenarbeiten. "Aber wir erkennen gleichzeitig, die Systemrivalität nimmt zu", betonte Merz. "Für unsere Sicherheit und für unsere Wettbewerbsfähigkeit muss es also eine Priorität sein, dass wir unsere Rohstoff- und Handelskettenrolle in der strategischen Souveränität diversifizieren." Nötig seien dafür auch mehr EU-Handelsabkommen mit anderen Partnern.