
Washington/Seoul, 08. Sep (Reuters) - Nach der Razzia in einem Werk des südkoreanischen Autobauers Hyundai005380.KS in den USA hat Präsident Donald Trump ausländische Unternehmen zur Einhaltung der US-Einwanderungsgesetze ermahnt. Zudem müssten sie amerikanische Arbeitskräfte einstellen und ausbilden, schrieb der Republikaner am Sonntag auf seiner Online-Plattform Truth Social. "Ihre Investitionen sind willkommen, und wir ermutigen Sie, Ihre sehr klugen Leute mit großem technischen Talent LEGAL mitzubringen, um Weltklasse-Produkte zu bauen", erklärte Trump. "Was wir im Gegenzug verlangen, ist, dass Sie amerikanische Arbeiter einstellen und ausbilden."
Die betroffene Fabrik wird derzeit von Hyundai gemeinsam mit dem südkoreanischen Batterie-Hersteller LG Energy Solution373220.KS gebaut. Bei der Razzia der US-Einwanderungsbehörde am Donnerstag wurden in Ellabell im Bundesstaat Georgia rund 475 Arbeiter festgenommen. Unter ihnen sind etwa 300 südkoreanische Staatsbürger. Die Regierung in Seoul äußerte ihr Bedauern über die Festnahmen und die Veröffentlichung von Aufnahmen des Einsatzes. Diese zeigten, wie die Arbeiter von Einsatzkräften mit gepanzerten Fahrzeugen in Handschellen abgeführt wurden. Südkorea bemüht sich nun um die Rückführung seiner Staatsbürger.
Kurz vor seiner Veröffentlichung auf Truth Social hatte Trump Reportern gesagt, er werde sich den Vorfall ansehen. Sein Verhältnis zu Südkorea sei dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Er brachte zudem die Möglichkeit ins Spiel, ausländischen Produktionsexperten die Einreise zu gestatten, damit diese US-Arbeitskräfte ausbilden könnten.
SÜDKOREAS AUSSENMINISTER REIST NACH WASHINGTON
Südkorea will mit der Trump-Regierung über eine Verbesserung des US-Visasystems sprechen. Außenminister Cho Hyun kündigte am Montag bei einer Anhörung in einem Parlamentsausschuss in Seoul an, er werde noch im Tagesverlauf in die USA reisen, um entsprechende Gespräche aufzunehmen.
Südkorea verhandelt mit den USA auch gerade über ein Handelsabkommen. Dabei will sich das asiatische Land an dem Deal zwischen Washington und Japan orientieren. Japan hatte den USA zahlreiche Zugeständnisse gemacht, dafür werden aber die US-Zölle auf Autoimporte von 25 auf 15 Prozent gesenkt. Das bedeutet für südkoreanische Hersteller einen Wettbewerbsnachteil, da für sie weiterhin der höhere Zollsatz gilt. Trump hatte das Handelsabkommen mit Japan vergangene Woche in Kraft gesetzt. Südkorea hingegen hat für seine eigene, Ende Juli erzielte Grundsatzeinigung noch keine finale schriftliche Vereinbarung.
Der südkoreanische Finanzminister Koo Yun-cheol sagte am Montag mit Blick auf die Razzia bei Hyundai, Beratungen mit der Trump-Regierung stünden an. Ziel sei es, ähnliche Vorfälle für in den USA investierende Unternehmen künftig zu verhindern.