
Beirut, 05. Sep (Reuters) - Im Libanon spaltet die geplante Entwaffnung der schiitischen Hisbollah-Miliz das Kabinett. Zwar begrüßte die Regierung in Beirut am Freitag ein entsprechendes Vorgehen gegen die mit dem Iran verbündete Gruppe. Alle fünf schiitischen Minister verließen jedoch die Kabinettssitzung aus Protest, als Armeechef Rodolphe Haykal den Plan vorstellte. Das Militär werde mit der Entwaffnung beginnen, teilte Informationsminister Paul Morcos später mit. Einen Zeitplan nannte er aber nicht und verwies auf die begrenzten Kapazitäten der Armee.
Morcos erklärte, die Armee werde die Entwaffnung entsprechend ihrer logistischen, materiellen und personellen Möglichkeiten vorantreiben. Die Einzelheiten des Plans blieben geheim, fügte er hinzu. Der der Hisbollah nahestehende Arbeitsminister Mohammad Haidar erklärte, jede Entscheidung, die in Abwesenheit der schiitischen Minister getroffen werde, sei null und nichtig. Dies verstoße gegen die konfessionelle Machtteilung im Libanon.
Die USA und Saudi-Arabien sowie die vorwiegend christlichen und sunnitischen Gegner der Hisbollah im Libanon pochen auf die Entwaffnung der radikal-islamischen Miliz, was diese ablehnt. Die Hisbollah argumentiert, eine Diskussion über Entwaffnung sei ein schwerer Fehler, solange Israel seine Luftangriffe auf den Libanon fortsetze und Gebiete im Süden besetzt halte. Bei israelischen Angriffen waren erst am Mittwoch vier Menschen getötet worden.