
Mumbai, 05. Sep (Reuters) - Der deutsche Bad-Ausstatter Hansgrohe will seine Produktion in Indien vervierfachen, während das Geschäft im wichtigen Markt China schwächelt. Der Sanitärtechnikhersteller aus dem Schwarzwald setze auf die wachsende Zahl wohlhabender Inder, erläuterte Asien-Vertriebschef Thomas Stopper am Freitag. "Es gibt eine enorme Urbanisierung – mehr Menschen ziehen in die Städte, haben ein höheres verfügbares Einkommen und wollen bessere Badezimmer", sagte er. "Das ist für uns ganz klar ein Treiber." Bis 2028 solle die Jahresproduktion im einzigen Werk in Mumbai von derzeit 50.000 auf 200.000 Einheiten steigen.
Dagegen hätten sich die Verkäufe in China, dem größten Markt für Badausstattung, wegen der Flaute auf dem Bausektor und des mauen Konsums verlangsamt, erklärte Hansgrohe-Vertriebsvorstand Christophe Gourlan. Indien hat sich zu einem wichtigen Markt für die Branche entwickelt, auf dem etwa auch der US-Konzern KohlerKOHLE.UL und die japanische Firma Toto5332.T aktiv sind. Die wachsende Schicht der Wohlhabenden in dem Land mit mehr als einer Milliarde Einwohner leistet sich zunehmend Whirlpools, Hightech-Duschen oder sogar eine mit dem Sprachassistenten Alexa betriebene Toilette für 18.500 Dollar.
Bis 2030 soll Indien rund zehn Prozent zum weltweiten Umsatz von Hansgrohe beitragen. Dies wäre eine Verdopplung des derzeitigen Niveaus. Das Unternehmen aus dem badischen Schiltach im Schwarzwald hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,39 Milliarden Euro erzielt, davon 38,7 Millionen Dollar in Indien. Seit 2020 ist das Geschäft in dem Land jährlich um mehr als 25 Prozent gewachsen. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Mordor Intelligence soll der indische Markt für Badausstattung in den nächsten fünf Jahren um rund 7,7 Prozent auf 16,7 Milliarden Dollar zulegen.
Das Werk in Mumbai montiert derzeit hauptsächlich Armaturen für den institutionellen Vertrieb, während die Premium-Produkte aus Deutschland importiert werden. Hansgrohe prüfe die Zusammenarbeit mit lokalen Zulieferern für seine Dusch- und Produktpaletten, sagte Stopper. Das Unternehmen plant, die Zahl seiner Vertriebspartner in Indien bis 2026 von 300 auf 400 zu erhöhen. Zudem soll in Neu-Delhi bald ein erstes sogenanntes "Experience Center" eröffnet werden, in dem Kunden die Produkte testen können.