
Berlin, 01. Sep (Reuters) - Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Übernahme von ProSiebenSat.1PSMGn.DE durch den italienischen Großaktionär MFE-MediaForEuropeMFEB.MI erörtert die Bundesregierung die Lage mit MFE. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer werde MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi am Dienstag in Berlin treffen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Sache vertrauten Personen. Unklar blieb zunächst, ob sich beide Seiten auf eine gemeinsame Stellungnahme einigen würden.
Vorige Woche zeichnete sich ab, dass die Italiener künftig mindestens rund 60 Prozent an dem bayerischen Fernsehkonzern halten werden. Denn der tschechische Großaktionär PPFPPFGP.UL hatte seinen Ausstieg bei ProSieben angekündigt und damit den Weg für die Übernahme durch MFE freigemacht. PPF will seinen Anteil an ProSiebenSat.1 von 15,68 Prozent an MFE verkaufen. Nach einem Kaufangebot an die Aktionäre halten die Italiener bereits 43,6 Prozent und könnten in einer Nachfrist noch mehr Anteile einsammeln. Das Ergebnis hierzu dürfte am Donnerstag feststehen. Unterdessen lag die ProSiebenSat.1-Aktie am Montagnachmittag rund fünf Prozent im Minus und war damit größter Verlierer im SDax.SDAXI.
Die bayerische Landesregierung und die zuständige Landesmedienanstalt (BLM) hatten bereits signalisiert, dass sie einem stärkeren Engagement von MFE wohlwollend gegenüberstünden und keine vorherrschende Meinungsmacht durch die Italiener zu befürchten sei. So hatte der bayerische Medienminister Florian Herrmann (CSU) von MFE in Aussicht gestellte Bekenntnisse zur Wahrung der redaktionellen Unabhängigkeit, der nationalen Identitäten, der unternehmerischen Ethik und der Beschäftigungssicherung am Standort Unterföhring bei München als positiv bezeichnet. "Dies sind zentrale Ziele bayerischer Medienpolitik", hatte der CSU-Politiker Ende Juli im Reuters-Interview erklärt.