
Berlin, 31. Aug (Reuters) - Bundeskanzler Friedrich Merz rechnet noch mit einem langen Krieg zwischen Russland und der Ukraine. "Ich stelle mich innerlich darauf ein, dass dieser Krieg noch lange dauern kann", sagte der CDU-Vorsitzende am Sonntag im ZDF-Sommerinterview. Er mache sich keine Illusionen, wie Kriege endeten. "Entweder durch eine militärische Niederlage des einen gegen den anderen. Das sehe ich im Augenblick weder für Russland noch für die Ukraine", fügte Merz hinzu. "Oder aber durch eine wirtschaftliche und/oder militärische Erschöpfung. Das sehe ich aber im Augenblick auch auf beiden Seiten nicht."
Man versuche derzeit durch intensive diplomatische Initiativen, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, "aber ganz sicher nicht um den Preis der Kapitulation der Ukraine", betonte der Kanzler. Denn wenn die Ukraine kapituliere und ihre Eigenständigkeit verliere, sei das nächste Land dran, sagte er mit Blick auf Russland. "Und dann sind übermorgen wir dran. Das ist keine Option."
Merz wies Spekulationen über den Einsatz von Bodentruppen in der Ukraine zurück. "Für den gegenwärtigen Fall spricht niemand über Bodentruppen in der Ukraine", sagte er und betonte, es gebe keine Differenzen mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Man spreche mit den westlichen Verbündeten über Sicherheitsgarantien für den Fall eines Waffenstillstandes. "Priorität Nummer eins ist die Unterstützung der ukrainischen Armee, dass sie dieses Land auf Dauer verteidigen kann." Damit beginne man jetzt. Vieles andere werde relevant, wenn es ein Abkommen mit Russland gebe. Dafür müsse aber auch klar sein, dass die Ukraine dauerhaft ihre Eigenständigkeit und Bündnisfreiheit behalte. "Niemand redet über Bodentruppen in der Ukraine zum jetzigen Zeitpunkt", betonte er. Falls die Bundeswehr irgendwann eingesetzt werde, auch bei einem Schutz des Luftraums über der Ukraine, bräuchte man ein Bundestagsmandat.
Merz unterstrich, dass er die USA auf jeden Fall an Bord halten wolle. US-Präsident Donald Trump hatte vor zwei Wochen eine Frist für ein Treffen der Präsidenten Russlands und der Ukraine gesetzt. Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatten Russlands Präsident Wladimir Putin vorgeworfen, dies zu verweigern, die USA müssten nun Sanktionen verhängen.