
Beirut, 26. Aug (Reuters) - Die Regierung im Libanon setzt im Streit über die Entwaffnung der Hisbollah-Miliz nach US-Angaben auf Freiwilligkeit. Die Regierung werde am Sonntag einen Plan vorlegen, um die mit dem Iran verbündete Gruppierung zur Abgabe ihrer Waffen zu bewegen, kündigte der US-Sondergesandte Thomas Barrack am Dienstag in Beirut an. "Die libanesische Armee und Regierung sprechen nicht über einen Krieg. Sie sprechen darüber, wie sie die Hisbollah überzeugen können, ihre Waffen abzugeben", sagte Barrack nach Gesprächen mit Präsident Joseph Aoun. Erst am Montag hatte Hisbollah-Chef Scheich Naim Kassem bekräftigt, die Miliz werde auf Waffen nicht verzichten.
Barrack signalisierte, die Hisbollah-Kämpfer könnten für eine Abgabe der Waffen belohnt werden. Wenn von der Entwaffnung der Hisbollah gesprochen werde, dann gehe es um über 40.000 Menschen, die vom Iran bezahlt würden, so Barrack. "Wenn wir von einem Teil der libanesischen Bevölkerung verlangen, ihren Lebensunterhalt aufzugeben... dann kann man ihnen nicht einfach die Waffen wegnehmen und sagen: 'Viel Glück, geht Olivenbäume pflanzen'. Wir müssen ihnen helfen." Nach seinen Angaben sind die Golfstaaten, darunter Katar und Saudi-Arabien, bereit, die libanesische Wirtschaft zu unterstützen, um Alternativen zum Lohnsystem der Hisbollah zu schaffen.
Ministerpräsident Nawaf Salam bekräftigte nach dem Treffen mit der US-Delegation den Kabinettsbeschluss von Anfang August, nach dem alle Waffen unter staatliche Kontrolle zu stellen sind. Die Armee werde bis nächste Woche einen umfassenden Plan vorlegen.
Im Krieg der radikal-islamischen Miliz mit Israel wurden im vergangenen Jahr viele ihrer führenden Kommandeure und Kämpfer getötet. Die militärische Schlagkraft der Hisbollah wurde stark geschwächt. Ein von den USA vermittelter Waffenstillstand verpflichtet den libanesischen Staat, alle nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen zu entwaffnen. Israel hält an seinen Stellungen im Südlibanon fest und fliegt regelmäßig Luftangriffe, die sich nach eigenen Angaben gegen Hisbollah-Kämpfer und -Waffen richten. Die Hisbollah wirft Israel vor, entgegen des Waffenstillstandsabkommens nicht vollständig aus dem Libanon abgezogen zu sein.