
Bitcoin und der gesamte Kryptomarkt haben in der vergangenen Woche und insbesondere in den letzten 24 Stunden einen kompletten Markteinbruch erlebt. Die Alarmglocken schrillten, da seit dem 31. Januar über 500 Milliarden US-Dollar der gesamten Marktkapitalisierung des Kryptomarktes vernichtet wurden – ein dramatischer Rückgang von über 20 % innerhalb von sechs Tagen.
Der gestrige Kursrückgang Bitcoin um 13,82 % markierte den achtgrößten Tagesverlust der letzten zehn Jahre. In absoluten Zahlen ausgedrückt verzeichnete Bitcoin zudem den ersten Tagesverlust von über 10.000 US-Dollar. Was wir gestern am Markt beobachteten, war einematic Entladung von Druck, die einen kaskadenartigen Ausverkauf auslöste, der durch mehrere Faktoren gleichzeitig bedingt war.

Der aktuelle Kurssturz bedeutet, dass Bitcoin sowohl aus technischer als auch aus On-Chain-Sicht historische Extremwerte testet. Die in diesem Artikel beschriebenen Kurszonen treten typischerweise in längeren Bärenmärkten auf, weshalb die Reaktion von nun an besonders wichtig ist. Wie die Kurse auf diesen Niveaus reagieren, wird mitentscheidend dafür sein, ob sich ein nachhaltiger Boden bildet oder ob ein tieferer Abwärtstrend einsetzt.

Da der Bitcoin-Kurs unter sein Hoch von 69.000 US-Dollar im Jahr 2021 gefallen ist und sich einem Tief von 60.000 US-Dollar nähert, werden derzeit über 9,5 Millionen Bitcoins mit Verlust gehalten. Dies ist der höchste Bestand an verlustbringenden Bitcoins seit Januar 2023.

Ein weiteres deutliches Anzeichen für eine Kapitulation ist die Nettogewinn- und -verlustrechnung (NRPL). Diese misst den Gesamtgewinn oder -verlust, den Anleger realisieren, wenn sich die Kurse der Coins in der Blockchain bewegen. Jeder Bitcoin hat einen gespeicherten „zuletzt bewegten Preis“, der oft auch als Einstandspreis bezeichnet wird. Steigt der Kurs eines Coins über seinen Einstandspreis, wird dies als realisierter Gewinn verbucht; fällt er darunter, als realisierter Verlust.
Diese Kennzahl aggregiert die Differenz zwischen allen realisierten Gewinnen und Verlusten im gesamten Netzwerk pro Tag. Obwohl die Blockchain nicht direkt erkennen kann, ob eine Kryptowährung verkauft oder vom Markt genommen wurde, fallen große Kursbewegungen in der Vergangenheit häufig mit Transaktionen zusammen, bei denen Kryptowährungen an Börsen gesendet, nach dem Handel umverteilt oder in Krisensituationen liquidiert werden. Daher wird diese Kennzahl häufig als zuverlässiger Indikator dafür verwendet, ob der Markt kollektiv Gewinne realisiert oder Verluste verzeichnet.
Der 7-Tage-Durchschnitt wird in diesem Chart verwendet, da die täglich realisierten Gewinne und Verluste stark schwanken und die Messwerte verfälschen können. Durch die Mittelung der letzten sieben Tage hebt der Indikator Trends gleichmäßig hervor und blendet kurzfristige Schwankungen aus. Betrachtet man die aktuelle Marktlage, so liegt der 7-Tage-Durchschnitt des NRPL derzeit bei -1,8 Milliarden pro Tag. Dies steht im deutlichen Gegensatz zu den Aufwärtsphasen in den Jahren 2024 und 2025, als dieser Wert deutlich im Plus lag und im November 2024 einen Höchststand von über 4,5 Milliarden pro Tag erreichte.
Der gestrige Kurssturz um 13,82 % war der größte Tagesverlust für Bitcoin seit dem Zusammenbruch des FTX im November 2022. Damals wurde der Ausverkauf durch das strukturelle Versagen eines großen zentralisierten Instituts ausgelöst, was das Vertrauen der Anleger und das Kontrahentenrisiko in der gesamten Branche erschütterte. Obwohl Bitcoin und Kryptowährungen heute eine deutlich größere und etabliertere Anlageklasse darstellen, spiegelt dieser Rückgang eine multifaktorielle Korrektur wider, bei der makroökonomischer Druck, geopolitische Spannungen, Hebelwirkung und ETF-Abflüsse gemeinsam das Marktvertrauen denthaben.

Allein in den letzten 24 Stunden wurden Positionen im Wert von 2,6 Milliarden US-Dollar liquidiert. Damit zählt dieses Ereignis zu den zehn Liquidationswellen, die der Markt je erlebt hat. Betrachtet man jedoch die Liquidationen seit dem 29. Januar, so wurden fast 10 Milliarden US-Dollar vernichtet. Die vergangene Woche war somit eine der aggressivsten Phasen der Schuldenbereinigung, die der Markt je gesehen hat. Dies erklärt, warum Bitcoin nach dem Durchbrechen der ersten wichtigen Marke von 80.500 US-Dollar und anschließend des Tiefs der Spanne vom April 2025 bei 74.500 US-Dollar deutlich nachgab.
Während Hebelwirkung und Liquidationen Kursverluste beschleunigen können, geht der Auslöser meist von Nachrichten und Erzählungen aus. In der vergangenen Woche belasteten mehrere externe Faktoren den Kryptomarkt stark, darunter die Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die Ernennung des möglicherweise restriktiven Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh, ein steigender DXY-Index und erhebliche ETF-Abflüsse. Gestern wurden diese negativen Einflüsse durch die schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten noch verstärkt.
Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen auf 231.000 gegenüber erwarteten 212.000, was auf zunehmende Entlassungen hindeutet. Die Stellenstreichungen im Januar waren die höchsten seit 2009, während gleichzeitig nur wenige Unternehmen neue Einstellungen ankündigten. Steigende Entlassungen bei gleichzeitig sinkenden Neueinstellungen gelten als Frühindikator für wirtschaftliche Schwäche, und die Märkte beginnen schnell, dieses Risiko einzupreisen.
Für Kryptowährungen ist dies in der Regel ein negatives Signal, da es auf eine mögliche Liquiditätsverknappung hindeutet. Anleger werden risikoscheuer, und die Erwartung wächst, dass die Finanzbedingungen weiterhin restriktiv bleiben. Indizes wie der S&P 500 und der NASDAQ gaben infolge dieser Nachricht nach, doch in einem risikoaversen Umfeld wie diesem sind Vermögenswerte wie Kryptowährungen oft die ersten, die einem verstärkten Verkaufsdruck ausgesetzt sind. Letztendlich hat diese Nachricht die ohnehin schon fragile Marktsituation weiter verschärft.
Die aktuelle Marktstimmung war seit Jahren nicht mehr so düster. Der Angst- und Gierindex hat sogar einen Wert von 9 erreicht und damit ein extremes Angstniveau erreicht, wie es seit dem Luna-Crash nicht mehr beobachtet wurde. Für Marktteilnehmer und Analysten liegt der Schlüssel jedoch nicht darin, sich mit dem Vergangenen auseinanderzusetzen, sondern vielmehr darin, mögliche Zukunftsszenarien zu analysieren.
Bitcoin befindet sich aktuell in einem überverkauften Bereich, wie er seit früheren Tiefständen in Bärenmärkten nicht mehr erreicht wurde, und einige Indikatoren deuten sogar auf noch tiefere Extremwerte hin. Beispielsweise war der tägliche RSI seit dem COVID-Crash vor fast sechs Jahren nicht mehr so niedrig. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Verkäufe kurzfristig an ihre Grenzen stoßen und Händler nach Anzeichen einer Erholung oder einer Trendwende Ausschau halten.

Ein weiteres wichtiges Signal, das Händler derzeit beobachten, liefert die Bitcoin -Liquidations-Heatmap. Sie zeigt einen extrem einseitigen Derivatemarkt. Leerverkäufer haben massiv zugelegt, der kumulierte Liquidationshebel liegt nun bei einem historischen Höchststand von 29 Milliarden US-Dollar. Demgegenüber ist die Liquidität auf der Long-Seite sehr gering, was verdeutlicht, wie schnell sich die Marktpositionierung ins Negative gewendet hat. Bei einer derart einseitigen Konzentration kann selbst eine moderate Aufwärtsbewegung eine Kettenreaktion von Liquidationen auslösen und so den Weg für eine starke, durch einen Short-Squeeze ausgelöste Kurserholung ebnen.

Bei den technischen Indikatoren, die als Unterstützungsbereich dienen können, sollte man den gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt genau im Auge behalten. Dieser liegt aktuell bei 58.000 US-Dollar und stellt eine wichtige Zone dar, die in früheren Bitcoin Zyklen bedeutende Tiefpunkte markiert hat.
