
Ripple (XRP) steht massiv unter Druck. Während sich der Kryptomarkt insgesamt in einen klaren Risk-off-Modus verabschiedet, trifft es den Remittance-Token besonders hart. Am Freitag notiert XRP bei rund 1,37 US-Dollar – ein Tagesverlust von fast 5 %. Für viele Anleger kommt dieser Absturz nicht überraschend. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Ist das erst der Anfang?
Denn was wir aktuell bei XRP sehen, ist mehr als nur eine kurzfristige Schwächephase. Es ist eine Kombination aus wachsender Unsicherheit, steigender Verkaufsbereitschaft und einem Markt, dem zunehmend die Käufer ausgehen.
Ein besonders klares Warnsignal liefert der Blick auf die Börsenreserven. Laut Daten von CryptoQuant ist die Menge an XRP, die auf Handelsplattformen liegt, zuletzt deutlich gestiegen. Am Mittwoch lag der durchschnittliche Bestand bei 2,71 Milliarden Token, nachdem es am Montag noch 2,67 Milliarden waren.
Das klingt nach wenig, ist in Wahrheit aber hochrelevant. Denn in Phasen starker Volatilität bringen Anleger ihre Coins nicht ohne Grund auf Börsen. Meist geschieht das mit nur einem Ziel: verkaufen, bevor die Verluste größer werden. Genau das erhöht das kurzfristig verfügbare Angebot am Markt – und verschärft den Abwärtsdruck zusätzlich.
Für XRP ist das eine gefährliche Mischung. Mehr Angebot trifft auf sinkende Nachfrage. Das Resultat sieht man im Kurs.
Noch deutlicher wird die Lage beim Blick auf den Futures-Markt. Das Open Interest bei XRP-Futures ist am Donnerstag auf 2,57 Milliarden US-Dollar gefallen, nach 2,61 Milliarden am Vortag. Auch das ist kein Zufall.
Sinkendes Open Interest bedeutet: Trader schließen Positionen, ohne neue einzugehen. Kapital verlässt den Markt. Genau dieses Verhalten war bereits vor früheren größeren Abwärtsbewegungen zu beobachten.
Zur Erinnerung: Am 22. Juli erreichte das Open Interest mit 10,94 Milliarden US-Dollar ein Allzeithoch. Wenige Wochen später folgte der Crash vom 10. Oktober, bei dem über 19 Milliarden US-Dollar an gehebelten Krypto-Positionen liquidiert wurden. Solche Erinnerungen sitzen tief – und sie machen Trader heute vorsichtiger.
Sollte sich dieser Rückzug aus dem Derivatemarkt fortsetzen, bleibt eine schnelle Erholung bei XRP schwer vorstellbar. In diesem Szenario rückt ein Rückfall in Richtung 1,25 US-Dollar wieder klar in den Fokus.
Zwar gibt es auch positive Signale, doch sie wirken aktuell wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Am Mittwoch verzeichneten XRP-Spot-ETFs Zuflüsse von knapp 5 Millionen US-Dollar. Bereits am Dienstag waren es rund 19 Millionen US-Dollar gewesen. Damit summieren sich die gesamten Nettozuflüsse inzwischen auf 1,21 Milliarden US-Dollar, bei Assets under Management von 1,07 Milliarden US-Dollar.
Das zeigt: Das institutionelle Interesse ist nicht verschwunden. Aber in einem Markt, der von Angst dominiert wird, reicht selbst stetiger ETF-Zufluss oft nicht aus, um massive Verkaufswellen auszugleichen.
Charttechnisch ist die Situation eindeutig. XRP notiert klar unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Die 50-Tage-Linie bei 1,90 US-Dollar, die 100-Tage-Linie bei 2,07 US-Dollar und die 200-Tage-Linie bei 2,23 US-Dollar liegen allesamt weit über dem aktuellen Kurs – und sie zeigen nach unten.
Auch die Momentum-Indikatoren senden kein gutes Signal. Der MACD liegt deutlich unter der Signallinie und unter der Nulllinie, das negative Histogramm weitet sich aus. Der Verkaufsdruck nimmt also weiter zu.
Gleichzeitig ist der RSI mit einem Wert von 20 tief im überverkauften Bereich. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits zeigt es, wie extrem der Abverkauf bereits ist. Andererseits erhöht genau das die Wahrscheinlichkeit für eine kurzfristige technische Gegenbewegung.

Trotzdem bleibt Vorsicht angebracht. Die übergeordnete Abwärtstrendlinie, ausgehend vom Hoch bei 3,66 US-Dollar, begrenzt jede Erholung. Ein relevanter Widerstandsbereich liegt bei 2,21 US-Dollar, doch davon ist der Markt aktuell weit entfernt.
Kurzfristig zählt etwas anderes: 1,40 US-Dollar. Erst ein Tagesschlusskurs darüber würde den unmittelbaren Verkaufsdruck spürbar lindern und zumindest Hoffnung auf Stabilisierung machen. Solange XRP darunter bleibt, behalten die Verkäufer klar die Kontrolle.
XRP erlebt derzeit einen der heftigsten Abverkäufe der letzten Monate. Steigende Börsenreserven, rückläufiges Open Interest und eine klar negative Chartstruktur zeichnen ein gefährliches Gesamtbild. Zwar ist der Markt kurzfristig überverkauft, doch ohne frisches Kapital und neue Überzeugung der Käufer bleibt jede Erholung fragil.
Für Anleger bedeutet das: Die nächsten Tage sind entscheidend. Hält die Zone um 1,25 US-Dollar nicht, könnte der Druck weiter zunehmen. Dreht der Markt jedoch und erobert die 1,40 zurück, wäre zumindest eine technische Entlastung möglich.
Bis dahin gilt: XRP ist kein Spiel für schwache Nerven.