
Ripple (XRP) steht am Mittwoch unter massivem Druck. Der Kurs rutscht leicht ab und notiert aktuell knapp unter 1,60 US-Dollar. Noch am Montag sah alles nach Entspannung aus: XRP kletterte bis auf 1,66 US-Dollar. Doch dann kam die Kehrtwende. Gewinnmitnahmen, gepaart mit wachsender Risikoaversion im gesamten Kryptomarkt, haben die Hoffnung auf eine schnelle Erholung erst einmal ausgebremst.
Jetzt geht es um alles. Die Frage lautet: Halten die Käufer dagegen – oder kippt XRP endgültig nach unten?
Ein klares Warnsignal kommt vom ETF-Markt. Die XRP-Spot-ETFs verzeichneten am Montag Abflüsse von rund 405.000 US-Dollar. Besonders brisant: Nur wenige Tage zuvor, am Freitag, flossen noch fast 17 Millionen US-Dollar in diese Produkte.
Das zeigt, wie nervös Anleger aktuell sind. Der Risikoappetit ist spürbar gesunken. Zwar liegen die kumulierten ETF-Zuflüsse weiterhin bei 1,18 Milliarden US-Dollar, und das verwaltete Vermögen beträgt 1,11 Milliarden US-Dollar. Doch kurzfristig kippt die Stimmung – und genau das belastet den Kurs.
ETF-Ströme gelten als Stimmungsbarometer. Solange frisches Geld zufließt, glauben Investoren an eine Erholung. Drehen die Ströme jedoch dauerhaft ins Negative, bleibt XRP unter Druck – unabhängig von langfristigen Fantasien.
Auch der Blick auf den Derivate-Markt macht wenig Hoffnung. Das Futures Open Interest stieg am Dienstag zwar leicht auf 2,93 Milliarden US-Dollar, nach 2,81 Milliarden US-Dollar am Montag. Doch dieses Plus ist kosmetisch.
Zum Vergleich:
Am 6. Januar lag das durchschnittliche Open Interest noch bei 4,55 Milliarden US-Dollar, am 10. Oktober sogar bei 8,36 Milliarden US-Dollar – bevor der große Krypto-Crash folgte, der über 19 Milliarden US-Dollar an Positionen aus dem Markt gespült hat.
Noch drastischer wird das Bild mit Blick zurück: Sein Allzeithoch erreichte das Open Interest bei 10,94 Milliarden US-Dollar, als XRP im Juli bei 3,66 US-Dollar notierte. Davon ist der Markt heute meilenweit entfernt.
Die Botschaft ist eindeutig: Trader meiden Risiko. Ohne deutlich steigendes Open Interest fehlt XRP die Basis für eine nachhaltige Erholung.
Charttechnisch sieht es düster aus. XRP notiert unter allen relevanten gleitenden Durchschnitten. Der Kurs liegt klar unter dem 50-Tage-EMA bei 1,94 US-Dollar, unter dem 100-Tage-EMA bei 2,09 US-Dollar und auch unter dem 200-Tage-EMA bei 2,24 US-Dollar.
Solange XRP diese Marken nicht zurückerobert, bleibt das Bild bärisch.
Auch der MACD bestätigt die Schwäche. Er notiert weiterhin unter der Signallinie. Zwar verlieren die roten Histogramm-Balken langsam an Dynamik, doch sie bleiben klar unter der Nulllinie. Das heißt: Der Verkaufsdruck ist noch da – und er ist gefährlich.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt: Der Relative Strength Index (RSI) liegt bei 28 – tief im überverkauften Bereich. Historisch ist das oft der Punkt, an dem zumindest eine technische Gegenbewegung startet.
Aber Vorsicht: Ein niedriger RSI allein reicht nicht. Erst wenn er stetig Richtung Mittellinie steigt, kann von nachlassendem Verkaufsdruck gesprochen werden. Bis dahin bleibt jede Erholung fragil.
Jetzt zählt nur noch eine Marke: 1,60 US-Dollar. Ein Tagesschlusskurs darunter könnte den nächsten Abverkauf auslösen – mit einem möglichen Ziel bei 1,50 US-Dollar, dem Tief vom Samstag.
Auf der anderen Seite gilt: Sollten Käufer wieder mutiger werden und den Kurs zurück über 1,60 US-Dollar drücken, rückt das Montagshoch bei 1,66 US-Dollar wieder ins Visier. Erst dann würde sich das kurzfristige Bild spürbar aufhellen.
Ripple steht am Abgrund einer Richtungsentscheidung. ETF-Abflüsse, ein schwacher Derivate-Markt und eine angeschlagene Chartstruktur sprechen aktuell gegen die Bullen. Gleichzeitig signalisiert der überverkaufte RSI, dass eine Gegenbewegung jederzeit starten kann.
Doch ohne neues Kapital und ohne steigende Risikobereitschaft bleibt jede Erholung wackelig. Die nächsten Tage entscheiden, ob XRP sich fängt – oder ob der Markt den nächsten Schlag setzt.