
Masayoshi Sons 50-Milliarden-Dollar-Plan zur Übernahme von Switch ist gescheitert.
Der SoftBank-Gründer hatte monatelang über den Kauf des US-amerikanischen Rechenzentrumsbetreibers verhandelt und hoffte, dass dieser das 500 Milliarden Dollar teure KI-Projekt Stargate unterstützen würde, das gemeinsam mit der Trump-Administration, OpenAI, Oracle und MGX in Abu Dhabi gestartet wurde.
Laut Bloomberg ist der Deal nun geplatzt. Keine vollständige Übernahme. Kein Start im Januar. Keine direkte Kontrolle über das energieintensive Rechenzentrumsnetzwerk, auf das Masa für die Realisierung von Stargate gesetzt hatte.
SoftBank hat sich laut Insidern nun komplett aus dem Deal zurückgezogen und die für Anfang des Monats geplante Ankündigung der Übernahme abgesagt. Die Gespräche laufen zwar noch, aber das neue Projekt ist deutlich kleiner.
Masa erwägt nun eine Teilbeteiligung oder eine Partnerschaft mit Switch. Bisher ist aber noch nichts bestätigt. Der einzige nennenswerte Schritt in diesem Monat war SoftBanks 3-Milliarden-Dollar-Übernahme von DigitalBridge, einem wichtigen Geldgeber von Switch. Dadurch erhalten sie jedoch nicht die von Masa angestrebte Hardware-Kontrolle.
Wäre dieser Deal zustande gekommen, wäre es einer der größten in der Geschichte des japanischen Unternehmens gewesen. Masa plante, mit seinen neuen Partnern sofort 100 Milliarden Dollar in den Aufbau von Rechenzentren in den USA zu investieren.
Ziel war es, im globalen KI-Wettlauf die Nase vorn zu haben und die physische Infrastruktur zu kontrollieren, nicht nur zu finanzieren. Doch intern waren nicht alle davon überzeugt.
Einige von SoftBank stellten die Frage, wie sie riesige Rechenzentren von Las Vegas bis Atlanta tatsächlich betreiben sollten. Auch der Preis von 50 Milliarden Dollar gefiel ihnen nicht.
Die Analysten Kirk Boodry und Chris Muckensturm schrieben: „Das Ende der Verhandlungen zwischen SoftBank und Switch lässt die Rechenzentrumspläne des Unternehmens in der Schwebe, da Stargate-Ankündigungen weiterhin selten sind.“
Sie fügten hinzu, dass eine Teilbeteiligung Masa nicht die Art von Kontrolle geben würde, die er von Geschäften mit Chips und physischen KI-Systemen gewohnt ist. Kurz gesagt: Schecks auszustellen ist nicht dasselbe wie Maschinen zu betreiben.
Switch ruht sich derweil nicht aus. Die Geldgeber des Unternehmens erwägen nun einen Börsengang. Sie streben eine Notierung an, die den Unternehmenswert inklusive Schulden auf 60 Milliarden Dollar steigern könnte.
Und jede Vereinbarung mit SoftBank könnte einer Überprüfung durch das Komitee für Auslandsinvestitionen in den USA unterliegen.
Das würde die Dinge noch weiter verlangsamen, insbesondere unter Trumps zweiter Amtszeit, die eine härtere Haltung gegenüber strategischen Technologiegeschäften einnimmt.
Auch wenn die Übernahme von Switch scheiterte, lässt Masa sich vom Thema KI nicht abbringen. Im vergangenen Jahr erwarb SoftBank einen Anteil von 11 % an OpenAI und investierte allein im letzten Monat 22,5 Milliarden US-Dollar. Er kaufte Ampere Computing für 6,5 Milliarden US-Dollar und das Robotikgeschäft von ABB für weitere 5,4 Milliarden US-Dollar.
Das ganze Geld musste ja irgendwoher kommen, also stieß SoftBank seine Nvidia- Aktien ab, verkaufte weitere Anteile an T-Mobile und erhöhte die Margin-Kredite, indem er Arm-Aktien als Sicherheiten nutzte.
Doch die hohen Investitionen in KI zeigen bereits erste Anzeichen von Problemen. SoftBanks Kreditwürdigkeit steht unter Druck. Die Ratingagentur S&P Global warnte kürzlich, dass die Kreditwürdigkeit sinken könnte, falls Masa nicht bald Vermögenswerte veräußert oder sich restrukturiert.
Die Analysten Kei Ishikawa und Makiko Yoshimura sagten: „Wenn nicht umgehend Lockerungsmaßnahmen ergriffen werden, wie zum Beispiel die Liquidation von gehaltenen Vermögenswerten, wird der Druck auf die Kreditwürdigkeit zunehmen.“
S&P lieferte in einem separaten Bericht weitere Details: „Wir werden die Anleihen als eigenkapitalfrei umklassifizieren, sobald die Restlaufzeit auf unter 15 Jahre sinkt, sofern unser langfristiges Emittentenrating für die SoftBank Group im Bereich ‚BB‘ liegt.“ Das bedeutet, dass SoftBank seine Hybridwertpapiere (komplexe Finanzinstrumente, die als verlustabsorbierendes Kapital gelten) beibehalten oder refinanzieren muss.
S&P geht davon aus, dass SoftBank dies tun wird, es sei denn, die Kreditwürdigkeit des Unternehmens verbessert sich und ein Ersatz wird überflüssig.
Die Behörde merkte zudem an, dass SoftBank seine Finanzen auch in Phasen aggressiven Wachstums stets im Griff habe, und wies darauf hin, dass Masa ein klares Interesse daran habe, die Emission von Hybridwertpapieren des Unternehmens aufrechtzuerhalten, um dessen diversifizierte Finanzierungsstruktur zu sichern. Dennoch kann selbst ein so ambitioniertes Unternehmen wie SoftBank ohne entsprechende Maßnahmen in Schwierigkeiten geraten.
Wie geht es nun weiter? Switch ist zwar weiterhin ein Übernahmeziel, doch eine vollständige Übernahme scheint unwahrscheinlich. Masa befand sich bereits in einer ähnlichen Situation, als er jahrelang wartete, bevor er 2016 schließlich Arm Holdings kaufte.
Es gibt noch immer Gerüchte über eine mögliche kleinere Partnerschaft, nach dem Vorbild des Projekts, das SoftBank in Ohio mit dem taiwanesischen Unternehmen Hon Hai betreibt. Doch selbst das wird Masa nicht die von ihm angestrebte Stargate-Macht verleihen.
SoftBank versucht seit Beginn der KI-Entwicklung, vom Erfolg zu profitieren. Obwohl das Unternehmen frühzeitig investierte, verpasste es den Hardware-Boom. Die meisten großen Gewinne gingen an Chiphersteller wie Nvidia und TSMC. Stargate sollte das ändern.
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