SPOTANALYSE-Ökonomen zum US-Arbeitsmarkt
Berlin, 08. Mai (Reuters) - Am US-Arbeitsmarkt sind im April trotz der Unsicherheit durch den Iran-Krieg fast doppelt so viele neue Jobs entstanden wie erwartet. Unter dem Strich wurden 115.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie aus dem am Freitag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg um 62.000 erwartet. In ersten Reaktionen hieß es:
DIRK CHLENCH, LBBW:
"Die Signale des ADP-Berichts haben nicht getrogen. Auch der offizielle US-Arbeitsmarktbericht weist für April ein solides Beschäftigungswachstum aus. Der Staat hat jedoch zum wiederholten Male die Zahl seiner Bediensteten verringert. Vor diesem Hintergrund sollten etwaige Leitzinssenkungen der US-Notenbank zumindest für dieses Jahr vom Tisch sein, trotz der anstehenden Neubesetzung des Fed-Vorsitzes."
RALF UMLAUF, HELABA:
"Noch zeigt sich die US-Wirtschaft unbeeindruckt von den hohen Energiepreisen, die der Krieg der USA und Israels gegen den Iran zur Folge hat. Damit einhergehend werden die Zinserwartungen wohl verstärkt in Richtung Erhöhung tendieren. Die Risikobalance der Fed neigt sich mehr und mehr der Inflation zu."
THOMAS GITZEL; CHEFVOLKSWIRT VP BANK:
"Jobs wurden einmal mehr vor allem im Dienstleistungssektor geschaffen, und zwar vor allem da, wo der Mensch gefordert ist. So etwa im Pflegebereich oder auch im Einzelhandel. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz ersetzt hingegen in anderen Dienstleistungsbereichen den Menschen, was sich in einem Jobabbau niederschlägt. So war die Beschäftigung in der Informationstechnologie auch im April rückläufig. Im US-Informationssektor sank seit dem Höchststand im November 2022 die Beschäftigung um 342.000, was einem Rückgang von elf Prozent entspricht. Dies zeigt, wie einschneidend die Künstliche Intelligenz auf dem Arbeitsmarkt bereits ist.
Damit gibt es aber keine Notwendigkeit für Zinssenkungen – zumal das Wachstum der US-Wirtschaft weiterhin robust ist. Der designierte Fed-Chef Kevin Warsh wird für Zinssenkungen – mit denen er liebäugelt – keine Mehrheit im Offenmarktausschuss der Notenbank finden."
TOBIAS BASSE, NORDLB:
"Die Zahlen zur Lage am US-Arbeitsmarkt haben im Berichtsmonat April klar positiv überrascht. Gemeldet wurde ein Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft im Umfang von immerhin 115.000 Personen. Nach den Belastungen durch die Streikaktivitäten im Gesundheitsbereich im Februar hat sich im März dann vor allem ein stützender Rückpralleffekt gezeigt. Es handelt sich folglich jeweils um Datenverzerrungen, was die Interpretation der Zahlen erschwert hat. Nun hätte der US-Arbeitsmarkt also eigentlich mehr oder weniger einfach wieder zur Normalität zurückkehren müssen. Somit sind die aktuell zu beobachtenden Entwicklungen schon eine wirklich positive Überraschung."
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