SPOTANALYSE-Ökonomen zum Anstieg der Inflationsrate im Euroraum auf 3,0 Prozent
Berlin, 30. Apr (Reuters) - Der Ölpreisanstieg infolge des Nahost-Krieges heizt die Inflation im Euroraum weiter kräftig an. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im April um durchschnittlich 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Anstieg auf 2,9 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es dazu:
THOMAS GITZEL, CHEFÖKONOM VP BANK:
"In der Haut von Christine Lagarde möchte man derzeit nicht stecken. Die EZB-Chefin muss einen kommunikativen Kraftakt bewältigen. Einerseits muss sie signalisieren, dass die Notenbank die gestiegenen Teuerungsraten ernst nimmt. Andererseits darf die Notenbankpräsidentin, die mit den hohen Energiepreisen einhergehenden konjunkturellen Risiken nicht unter den Teppich kehren. Eine schwächere gesamtwirtschaftliche Nachfrage wirkt nämlich preisdämpfend. Und je länger die Sperrung der Straße von Hormus anhält, desto signifikanter fallen die konjunkturdämpfenden Effekte aus. Ein Kompromiss könnte lauten: Den Zins im laufenden Jahr nur leicht nach oben adjustieren und ansonsten weiterhin abwarten."
JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:
"Ohne die stark gestiegenen Energiepreise ist die Inflation im April sogar gefallen. Aber die EZB sollte sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Umfragen zeigen, dass die Unternehmen die höheren Energiepreise rasch an die Verbraucher weitergeben werden. Entsprechend sind die langfristigen Inflationserwartungen der Bürger zuletzt gestiegen. Die EZB wird nicht um eine Zinserhöhung herumkommen, auch wenn sie sie wohl erst auf der Sitzung im Juni beschließen dürfte."
ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:
"Wegen des Energiepreisanstiegs klettert die Inflationsrate auf 3,0 Prozent. Die Inflationsrate wird länger erhöht bleiben, selbst wenn der Iran-Krieg bald endet. Bleibt die Straße von Hormus auch im Sommer zu, ist ein weiterer Inflationsschub unausweichlich. Für die EZB gibt es erst etwas zu tun, wenn sich nachhaltige Zweitrundeneffekte abzeichnen."
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