SPOTANALYSE-Volkswirte zur erneuten Zinspause der Fed
Washington, 29. Apr (Reuters) - In Zeiten des Ölpreisschocks hält die US-Notenbank Federal Reserve an ihrem Zinskurs fest. Sie entschied am Mittwoch, den Leitzins in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent zu belassen. Experten sagten dazu in ersten Kommentaren:
ALEXANDER KRÜGER, HAUCK AUFHÄUSER LAMPE PRIVATBANK AG
"Trotz Meinungsverschiedenheiten ist es klug, dass die Fed abwartet. Zu unsicher sind die Wirkungen des Iran-Kriegs auf Inflation und Arbeitsmarkt. Der Fed hilft, dass die langfristigen Inflationserwartungen bislang gut verankert sind. Die Inflationsrate wird zwar noch etwas steigen, längst aber nicht so stark wie 2021/22. Seit 2021 wird der 2-%-Zielwert nun allerdings übertroffen, eine Annäherung verzögert sich erneut. Zugleich tritt der Arbeitsmarkt sozusagen auf der Stelle, ohne dass Besserung in Sicht ist. In diesem Umfeld ist die Fortsetzung einer leicht restriktiven Geldpolitik mittelfristig nicht erforderlich. In diese Richtung scheint sich die Fed auch langsam zu positionieren. Zu einer Leitzinssenkung dürfte es vor Ende des bevorstehenden Sommers aber nicht kommen. Daran wird auch der neue Notenbank-Chef wenig ändern, der nicht allein über die Leitzinsen bestimmen kann."
ELMAR VÖLKER, LBBW RESEARCH:
"Abwarten bleibt vorerst Trumpf. Die US-Wirtschaft zeigt sich bisher weitgehend robust gegenüber den Auswirkungen des Iran-Kriegs, aber die Belastungen dürften zunehmen, je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt. Zugleich wachsen die Aufwärtsrisiken bei der Inflation durch Zweitrundeneffekte. Das hieraus resultierende Spannungsfeld für die US-Notenbank verstärkt sich. Diese schwierige Abwägung der Notenbanker zu moderieren, wird nun die erste große Herausforderung für den designierten neuen Fed-Chef Kevin Warsh. (...) Wir halten an unserer Einschätzung fest, dass die US-Notenbank ihren Leitzins in diesem Jahr gar nicht mehr antastet. Mit jeder Woche mehr, in der die Straße von Hormus blockiert bleibt, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass das geldpolitische Pendel im zweiten Halbjahr gar zu Zinserhöhungen herüberschwenkt."
MICHAEL HEISE, FAMILY OFFICE HQ TRUST:
"Die geldpolitische Diskussion wird sich zunehmend mit der Frage von Zinserhöhungen zu befassen haben, solange die inflationstreibende Energiekrise im Mittleren Osten anhält. Es ist zu erwarten, dass sich die US-Wirtschaft gegenüber dem Energiepreisschub widerstandsfähig zeigt. Der Bremseffekt hoher Energiepreise ist in den USA mit ihrer hohen Energieproduktion auf jeden Fall weitaus geringer als in Europa. Zinserhöhungen wird die Notenbank erst in Betracht ziehen, wenn sich die Inflationserwartungen deutlich erhöhen und Sekundäreffekte etwa über eine Beschleunigung der Lohnsteigerungen eintreten sollten. Bis zur Jahresmitte sind solche Entwicklungen eher unwahrscheinlich. Es ist daher mit einem unveränderten Leitzinsniveau zu rechnen."
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