
Berlin, 06. Mrz (Reuters) - Der US-Arbeitsmarkt hat im Februar einen unerwarteten Einbruch erlitten. Unter dem Strich gingen 92.000 Jobs außerhalb der Landwirtschaft verloren, wie aus dem am Freitag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen Stellenaufbau in Höhe von 59.000 erwartet. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:
DIRK CHLENCH, LBBW:
"Das US-Arbeitsministerium weist in seinem Bericht zwar darauf hin, dass der Rückgang der Beschäftigung durch einen Streik im Gesundheitssektor nach unten verzerrt sei. Aber auch unter Ausklammerung dieses Sondereffekts stellt der Arbeitsmarktbericht eine Enttäuschung dar. Zumal auch die Haushaltsumfrage, die der Berechnung der Arbeitslosenquote zugrunde liegt, einen Beschäftigungsrückgang aufweist. Die maue Lage am Arbeitsmarkt schlägt erstaunlicherweise nicht auf die Lohnentwicklung durch. Die durchschnittlichen Stundenlöhne zogen zum zweiten Mal in Folge mit einer Monatsrate von 0,4 Prozent an. Die Aufgabe der US-Notenbank wird dadurch nicht einfacher. Wir rechnen mit einer Leitzinssenkung für die Jahresmitte 2026."
TOBIAS BASSE, NORDLB:
"Die Februar-Zahlen vom US-Arbeitsmarkt haben eindeutig negativ überrascht. Die ADP-Daten hatten bereits dezente Hinweise in diese Richtung geliefert, die nun gemeldeten Zahlen der offiziellen Statistik offenbaren nun aber eine doch sehr nachhaltige Schwäche. Zwar sind Verzerrungen durch Streikaktivitäten im Gesundheitsbereich zu attestieren. Dennoch bleiben die aktuellen Angaben - mit einem Abbau von immerhin 92.000 Beschäftigungsverhältnissen - durch eine fast schon bemerkenswerte Verschlechterung der Lage charakterisiert. Auch die Arbeitslosenquote liefert im Februar keine erfreulichen Signale. Bei dieser Zeitreihe zeigt sich ein Anstieg auf 4,4 Prozent. Mit diesen Angaben hat sich der Handlungsdruck bei der US-Notenbank sicherlich erhöht."
RALF UMLAUF, HELABA:
"Schwache Beschäftigungsentwicklung. Die Stellenzahl außerhalb der Landwirtschaft hat massiv enttäuscht. Statt eines soliden Anstiegs ist ein kräftiges Minus gemeldet worden. Die Arbeitslosenquote hat ebenfalls unerwartet zugelegt. Zwar ist das Niveau hierbei im historischen Vergleich als niedrig einzustufen, die Zinssenkungserwartungen dürften mit den Zahlen aber wieder Rückenwind bekommen. Diese standen zuletzt wegen der gestiegenen Inflationssorgen aufgrund der hohen Energiepreise unter Druck."
BASTIAN HEPPERLE, HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:
"Erneut zeigt sich das Muster, dass erst ein üppiger Stellenzuwachs berichtet wird, der im Folgemonat abwärts revidiert wird. Der kräftige Beschäftigungsrückgang überrascht, ist zum Teil streikbedingt. Im Trend dürfte sich ein moderater Beschäftigungszuwachs fortsetzen, dafür spricht die weiterhin gute US-Konjunktur. Die Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt sind nicht so gravierend, dass die Fed den Leitzins senken müsste. Auch der Nahost-Konflikt zieht als Argument für eine Zinssenkung nicht. Die Fed dürfte sich um den Arbeitsmarkt weiterhin keine großen Sorgen machen. Da die Inflationsrisiken nicht gravierend sind, spricht viel für eine anhaltende Warteposition."