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SPOTANALYSE-Ökonomen zur überraschend gestiegenen Inflation im Euroraum

ReutersMar 3, 2026 10:56 AM

- Die Inflation im Euroraum hat bereits vor dem Ende Februar ausgebrochenen Nahost-Krieg überraschend angezogen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im vorigen Monat um 1,9 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Experten hatten für Februar mit einer Stabilisierung auf dem Vormonatsniveau von 1,7 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es:

ULRIKE KASTENS, DWS:

"Doch wie geht es weiter? Kurzfristig könnten sich die Effekte des höheren Ölpreises bereits in der März-Inflationsrate bemerkbar machen. Allein in Deutschland sind die Benzin- und Dieselpreise um sechs bis acht Prozent gestiegen, Heizöl sogar noch deutlicher. Während sich die Auswirkungen des kräftigen Anstiegs der Gaspreise in den meisten Ländern erst verzögert bemerkbar machen, weil die Verbraucher langfristige Verträge abgeschlossen haben, schlägt sich der Effekt der Ölpreise unmittelbar im Anstieg der Lebenshaltungskosten nieder. Bereits im März könnte die Rate in Richtung auf 2,5 Prozent klettern, mit weiter steigender Tendenz.

Letztlich hängt es von der Dauer des Kriegs ab, wie schnell es zu einer Gegenbewegung an den Energiemärkten kommt. Für die EZB bedeutet dies zunächst, weiter abzuwarten. Die Risiken dürften auf der März-Sitzung neu bewertet werden. Die Aussage der EZB, man sei gut positioniert, gilt unserer Meinung nach kurzfristig weiter. Anleger an den Kapitalmärkten preisen jedoch eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ein. Noch ist dies für die EZB kein Thema. Wenn sie aber die Risiken eines möglichen längerfristigen Inflationsanstiegs nicht unterschätzen will, erscheint diese Annahme durchaus plausibel."

STEPHANIE SCHÖNWALD, KFW RESEARCH:

"Angesichts der Ereignisse im Nahen Osten sind die heute gemeldeten Inflationszahlen für die Eurozone nicht mehr als eine Ausgangslage. Mit 1,9 Prozent lag der Verbraucherpreisanstieg im Februar leicht unter dem Inflationsziel der EZB. Dabei wird es angesichts der stark gestiegenen Preise für Energierohstoffe nicht bleiben. Insbesondere der höhere Ölpreis wird schnell an die Konsumenten weitergegeben werden und die Kraftstoffpreise bereits im März merklich erhöhen. Ein Grund für überstürztes Handeln der europäischen Notenbank ist das aber nicht. Der Energiepreisschock ist von der Größenordnung nicht vergleichbar mit der Preisexplosion von 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Ob Zinserhöhungen notwendig werden, hängt stark von der noch nicht absehbaren Dauer des Kriegs ab. Eine vorübergehend um einige Zehntel höhere Inflationsrate kann die EZB tolerieren, solange die Inflationserwartungen gut verankert bleiben."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

"Die Inflationsdaten für den Februar sehen gut aus, sagen wegen des Nahost-Kriegs aber nichts über die Zukunft aus. Dauert der Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus nur wenige Wochen, dann wird die Inflation wegen des gestiegenen Ölpreises nur vorübergehend ein wenig zulegen. Zöge sich der Krieg wider Erwarten aber Monate hin, so dürfte der Ölpreis in Richtung 100 Dollar steigen. Die Inflation stiege dann schätzungsweise auf mindestens drei Prozent. Trotzdem dürfte die EZB ihre Leitzinsen in einem solchen Szenario nicht anheben, weil sie durch einen ölpreisbedingten Anstieg der Inflation in der Regel durchschaut."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

"Der Anstieg ist ein Indiz für einen nur kurzen Aufenthalt unter zwei Prozent. Demnächst dürfte die Inflationsrate steigen, weil die Energiepreise weniger entlasten. Der Konflikt im Nahen Osten ändert manches, er richtet den Inflationsblick noch stärker nach oben. Ein dauerhafter Anstieg des Rohölpreises um zehn Dollar je Barrel bedeutet bis zu 0,2 Prozentpunkte mehr Jahresinflation.

Für die EZB gibt es trotz geopolitischer Krisenlage vorerst nichts zu tun. Der Nahost-Konflikt ist noch zu frisch, um bereits Rückschlüsse für die Leitzinsen zu ziehen. Auf einen Angebotsschock kann sie zinsseitig ohnehin nichts ausrichten. Wahrscheinlich wird die Notenbank einen temporären Anstieg der Inflationserwartungen tolerieren."

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