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Deutscher Exportverband: Starker Euro verschärft unsere Wettbewerbsprobleme

ReutersJan 28, 2026 10:13 AM
  • BGA-Präsident: Das verteuert unsere Waren zusätzlich
  • "Wenn weltweiter Absatz leidet, nützen billigere Importe wenig"
  • Jandura: EZB-Eingriff langfristig mit mehr Schaden als Nutzen

- Die deutsche Exportwirtschaft sieht die kräftige Aufwertung des Euro kritisch. "Die anhaltende Stärke des Euro bereitet den Exporteuren große Sorgen", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Die deutschen Exporteure kämpften bereits mit dem schwierigen internationalen Umfeld und den im internationalen Vergleich hohen Produktionskosten. "Ein starker Euro verteuert deutsche Produkte auf den Weltmärkten zusätzlich und verschärft damit die Wettbewerbsprobleme", betonte Jandura. "Gerade für mittelständische Exporteure mit geringen Margen ist das ein ernstes Risiko, weil sie Wechselkursnachteile oft nicht abfedern können."

Der EurokursEUR= stieg zuvor erstmals seit 2021 über die Marke von 1,20 Dollar. Der schwächere Dollar spiegele das geringere Vertrauen angesichts einer unvorhersehbaren US-Wirtschaftspolitik wider, sagen Experten.

Durch den starken Euro werden Einfuhren aus anderen Währungsräumen billiger. "Das hilft uns derzeit nur begrenzt", sagte der BGA-Präsident dazu. Günstigere Importe könnten zwar bei Vorleistungen oder Energie entlasten. Diese Effekte würden aber vielfach durch hohe Lohnnebenkosten, Bürokratie, Steuern und steigende Sozialabgaben wieder aufgezehrt. "Für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland überwiegen aktuell klar die Nachteile", sagte Jandura. "Wenn der Absatz auf den Weltmärkten leidet, nützen billigere Importe wenig." Entscheidend sei, dass die Produkte verkauft werden – "und genau das wird durch einen starken Euro erschwert".

"DIE POLITIK IST GEFORDERT - NICHT DIE EZB"

Ein Gegensteuern durch die Europäische Zentralbank (EZB) sieht der BGA-Präsident kritisch. "Aus ordnungspolitischer Sicht sollte man hier zurückhaltend sein", sagte er. "Die Geldpolitik darf nicht zum Instrument der Wechselkurssteuerung werden." Zinssenkungen allein mit dem Ziel, den Euro zu schwächen, wären ein Eingriff, der langfristig mehr Schaden als Nutzen anrichten könne.

Stattdessen müssten strukturelle Probleme angegangen werden wie hohe Kosten, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, überbordende Bürokratie und ein ausufernder Sozialstaat. "Ein gesunder Export braucht keine künstlich gedrückte Währung, sondern verlässliche Rahmenbedingungen und wettbewerbsfähige Unternehmen", sagte Jandura. "Die Politik ist hier gefordert – nicht die EZB."

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