
Der Schweizer Franken (CHF) zieht am Dienstag frische Käufer gegenüber dem Euro (EUR) an, da erneute Bedenken über den Handelskrieg zwischen den USA und der EU die Risikobereitschaft belasten und die Nachfrage nach defensiven Währungen erhöhen. Zum Zeitpunkt des Schreibens wird EUR/CHF bei etwa 0,9265 gehandelt und schwebt nahe seinem niedrigsten Stand seit dem 26. Dezember.
Die Märkte sind nach neuen Zollandrohungen von US-Präsident Donald Trump gegenüber mehreren europäischen Ländern aufgrund des Grönland-Themas risikoscheu geworden. Die Eskalation hat Ängste vor einem breiteren Handelskonflikt neu entfacht, nachdem europäische Führer erklärt haben, dass sie bereit sind, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.
Vor diesem Hintergrund zeigt sich der Schweizer Franken insgesamt stark. Allerdings hat EUR/CHF Schwierigkeiten, seinen Abwärtsmomentum auszudehnen, da eine besser als erwartete ZEW-Wirtschaftsstimmungsumfrage dem Euro etwas Unterstützung bietet und den Verkaufsdruck dämpft.
Frühere Daten vom Dienstag zeigten, dass die ZEW-Wirtschaftsstimmung in der Eurozone im Januar auf 40,8 gestiegen ist, was die Erwartungen von 35,2 übertrifft und von 33,7 im Dezember ansteigt, was auf ein verbessertes Anlegervertrauen im gesamten Block hinweist.
In Deutschland stieg der ZEW-Wirtschaftsstimmungsindex auf 59,6, deutlich über den Prognosen von 50 und dem vorherigen Wert von 45,8. Gleichzeitig verbesserte sich der ZEW-Aktuelle-Situation-Index von -81 auf -72,7 und war besser als die erwarteten -75,5.
In der Schweiz zeigten Daten des Bundesamtes für Statistik, dass die Erzeuger- und Importpreise im Dezember um 0,2% im Vergleich zum Vormonat gefallen sind, was unter den Prognosen für einen Anstieg von 0,2% liegt und auf einen Rückgang von -0,5% im Vormonat folgt. Im Jahresvergleich fielen die Preise um 1,8%, nachdem sie im November um 1,6% gesunken waren.
In der Zukunft werden die Marktteilnehmer auf Kommentare von SNB-Präsident Martin Schlegel achten, der später am Dienstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprechen wird. Danach wird die Aufmerksamkeit auf die Bemerkungen von Joachim Nagel, Mitglied des EZB-Direktoriums, gerichtet, gefolgt von einer Rede von EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Der Schweizer Franken gehört zu den am häufigsten gehandelten Währungen weltweit, obwohl die Schweizer Wirtschaft relativ klein ist. Der Wert der Währung wird stark durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) beeinflusst.
Der Schweizer Franken (CHF) gilt in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Die Stabilität der Schweizer Wirtschaft, große Zentralbankreserven und die politische Neutralität des Landes machen den Franken zu einer bevorzugten Anlagewährung in turbulenten Zeiten. Anleger flüchten in den Franken, wenn globale Risiken zunehmen.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) tritt viermal im Jahr – einmal pro Quartal, seltener als andere bedeutende Zentralbanken – zusammen, um über ihre Geldpolitik zu entscheiden. Ihr erklärtes Ziel ist es, die jährliche Inflationsrate unter 2 % zu halten. Überschreitet die Inflation diese Marke oder wird erwartet, dass dies in naher Zukunft geschieht, greift die SNB ein und erhöht den Leitzins, um das Preiswachstum zu dämpfen. Höhere Zinssätze wirken sich in der Regel positiv auf den Schweizer Franken (CHF) aus, da sie die Renditen erhöhen und die Schweiz für Investoren attraktiver machen. Sinkende Zinsen hingegen schwächen den Franken.
Makroökonomische Datenveröffentlichungen spielen eine zentrale Rolle bei der Bewertung des Schweizer Franken (CHF). Obwohl die Schweizer Wirtschaft als stabil gilt, können plötzliche Veränderungen bei Wachstum, Inflation, Leistungsbilanz oder Währungsreserven signifikante Auswirkungen auf den CHF haben. Starke Wirtschaftsdaten, niedrige Arbeitslosigkeit und ein hohes Verbrauchervertrauen stützen in der Regel den Franken. Umgekehrt könnte eine Abkühlung der Konjunktur eine Abwertung der Währung zur Folge haben.
Als kleine und offene Volkswirtschaft ist die Schweiz stark von der wirtschaftlichen Stabilität der Eurozone abhängig. Die erweiterte Europäische Union ist nicht nur der wichtigste Handelspartner der Schweiz, sondern auch ein bedeutender politischer Verbündeter. Eine stabile makroökonomische und geldpolitische Lage in der Eurozone ist daher von entscheidender Bedeutung für die Schweiz und den Schweizer Franken (CHF). Angesichts dieser engen Verflechtungen legen einige Modelle nahe, dass die Korrelation zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung des Euro (EUR) und des Schweizer Franken mit über 90 % nahezu perfekt ist.