tradingkey.logo
tradingkey.logo
Suchen

ANALYSE-SpaceX-Börsengang sichert Musk beispiellose Kontrolle

ReutersMay 6, 2026 6:15 PM
facebooktwitterlinkedin
  • Aktionärsrechte eingeschränkt
  • Rechtsweg eingeschränkt
  • Nur Musk kann Musk entlassen

- von Anirban Sen und Ross Kerber und Suzanne McGee

- Der SpaceX-Gründer Elon Musk wird bei dem Börsengang des Raumfahrtunternehmens in diesem Jahr eine beispiellose Machtfülle erhalten. Wie von der Nachrichtenagentur Reuters eingesehene Auszüge aus dem Börsenprospekt zeigen, etabliert das Unternehmen eine Führungsstruktur, die übliche Aktionärsrechte massiv einschränkt. Angesichts eines erwarteten Emissionsvolumens von bis zu 75 Milliarden Dollar und einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen Dollar dürfte es der größte Börsengang der Geschichte werden. Dennoch scheinen viele Investoren bereit zu sein, die weitreichenden Einschränkungen für die Chance auf hohe Renditen in Kauf zu nehmen.

Um seine Kontrolle zu sichern, setzt Musk auf ein Bündel an Maßnahmen. Kernstück ist eine Zwei-Klassen-Aktienstruktur: B-Aktien, die nicht öffentlich gehandelt werden und Musk sowie wenigen Insidern vorbehalten sind, gewähren zehn Stimmen pro Anteilsschein. Damit behält der Milliardär auch nach dem Börsengang mehr als 50 Prozent der Stimmrechte. Zudem profitiert SpaceX von der Verlegung des Firmensitzes vom Bundesstaat Delaware in das unternehmensfreundlichere Texas. Dortige Gesetze erschweren feindliche Übernahmen und machen es für Aktionäre deutlich aufwendiger, eigene Vorschläge zur Abstimmung zu bringen. So müssen Investoren künftig Aktien im Wert von mindestens einer Million Dollar oder drei Prozent des Unternehmens halten, um überhaupt Anträge stellen zu können.

Darüber hinaus schränkt SpaceX den Rechtsweg für seine Anteilseigner drastisch ein. Sammelklagen oder Prozesse vor Geschworenengerichten werden ausgeschlossen, stattdessen müssen Streitigkeiten über obligatorische Schiedsverfahren beigelegt werden. "Das schließt gleichzeitig die Tür zur Abstimmung, die Tür zum Gerichtssaal und die Tür für Aktionärsanträge", sagte Bruce Herbert, Chef der Vermögensverwaltung Newground Social Investment. "Das ist beispiellos im Hinblick auf die völlige Aushebelung der Rechenschaftspflicht."

In dieser Struktur ist Musk letztlich der Einzige, der sich selbst entlassen könnte, da er durch seine Stimmrechtsmehrheit die Zusammensetzung des Verwaltungsrats diktiert. SpaceX gilt damit nach US-Wertpapierrichtlinien als "kontrolliertes Unternehmen", was es von der Pflicht befreit, unabhängige Verwaltungsratsmitglieder in wichtige Ausschüsse zu berufen.

EXPERTEN SEHEN RISIKO FÜR DEN GESAMTEN AKTIENMARKT

Trotz dieser Warnsignale von Corporate-Governance-Experten dürfte die Nachfrage nach den Papieren enorm sein. Viele Anleger fürchten, ein lukratives Geschäft zu verpassen, sollte Musk mit SpaceX ähnliche Erfolge feiern wie mit dem E-Auto-Bauer TeslaTSLA.O. Dessen Aktien haben Anlegern seit dem Börsendebüt im Jahr 2010 laut LSEG-Daten eine jährliche Rendite von rund 42 Prozent beschert. "SpaceX wird ein so großer Teil des Marktes sein, dass es für die meisten Portfoliomanager sehr schwer sein wird, nicht einzusteigen", erklärte Ann Lipton, Juraprofessorin an der University of Colorado. Wer nicht investiert sei, während der Kurs von SpaceX durch die Decke gehe, stehe im Vergleich zum Gesamtmarkt schlecht da.

Experten sehen in dem Vorgehen auch ein Risiko für den gesamten Aktienmarkt. Musk könnte einen Präzedenzfall für andere von Gründern geführte Technologieunternehmen schaffen, die in naher Zukunft an die Börse streben, darunter Firmen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) wie OpenAI oder Anthropic. Für viele Investoren scheint die Aussicht auf technologisches Neuland jedoch schwerer zu wiegen als klassische Mitspracherechte. Man konzentriere sich weniger auf die Bewertung und mehr auf die Tatsache, "dass einem ein Platz auf einer Rakete angeboten wird", fasste Shang Chou, Mitbegründer von Dishmi Capital, die Stimmung zusammen.

Haftungsausschluss: Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine Finanz- oder Anlageberatung dar

Empfohlene Artikel

KeyAI