FOKUS 1-Teurer Umbau drückt FMC-Gewinn - Kliniknetz schrumpft weiter
Frankfurt, 05. Mai (Reuters) - Der Dialysekonzern Fresenius Medical Care (FMC)FMEG.DE drückt bei seinem Umbau aufs Tempo und nimmt dafür deutliche Belastungen in Kauf. Um die Profitabilität zu steigern, dünnt das Unternehmen sein Netz von rund 2600 US-Dialysekliniken aus. Von den bis zu 100 Standorten, die in diesem Jahr zur Disposition stehen, seien bereits 64 geschlossen worden. "Das zeigt, wie dringlich die Lage für uns ist", sagte Vorstandschefin Helen Giza der Nachrichtenagentur Reuters anlässlich der Veröffentlichung der Quartalsbilanz am Dienstag. "Wir wissen: Wenn wir handeln, müssen wir schnell handeln."
Die Schließungen sowie die Zusammenlegung von Büroflächen im Raum Boston belasteten das erste Quartal mit Einmalkosten von 166 Millionen Euro. Unter dem Strich sank der Gewinn deshalb um 22 Prozent auf 118 Millionen Euro. Bereinigt um Sondereffekte stieg das operative Ergebnis währungsbereinigt um zehn Prozent auf 467 Millionen Euro und lag damit im Rahmen der Analystenerwartungen. Der Umsatz ging wegen negativer Wechselkurseffekte und des Verkaufs von Unternehmensteilen um sechs Prozent auf 4,61 Milliarden Euro zurück. Währungsbereinigt ergab sich ein Plus von drei Prozent.
An der Börse warfen die Anleger die FMC-Titel aus ihren Depots. Die Aktien gaben am Vormittag um rund sechs Prozent nach und führten die Verliererliste im Leitindex Dax<.GDAXI> an.
Bei den Klinikschließungen gehe der Konzern gezielt vor, betonte Giza. "Mein Fokus liegt hier auf profitablem Wachstum." Ziel sei es wie bei früheren Schließungen, 65 bis 70 Prozent der betroffenen Patienten in anderen Einrichtungen des eigenen Netzwerks weiterzubehandeln. FMC verspricht sich davon eine bessere Auslastung der verbleibenden Standorte und niedrigere Kosten. Bis Ende 2027 sollen sich die Einsparungen durch das Umbauprogramm auf 1,2 Milliarden Euro belaufen. Giza hatte den Restrukturierungskurs vor mehr als drei Jahren eingeleitet, nachdem der Konzern stark unter den Folgen der Corona-Pandemie, Personalmangel und steigenden Kosten gelitten hatte. Neben der Trennung von unrentablen Kliniken umfasste der Umbau auch Stellenstreichungen, um das Unternehmen wieder zu stabilisieren.
Sorgen bereitet der FMC-Chefin weiterhin das schwache Patientenwachstum im wichtigen US-Markt. Die Zahl der Behandlungen war im ersten Quartal mit einem Minus von 0,4 Prozent leicht rückläufig. Giza führte dies vor allem auf extreme Wetterbedingungen zu Jahresbeginn zurück. Zudem bekomme FMC seit der Pandemie eine erhöhte Sterblichkeit unter Dialysepatienten zu spüren. "Auch wenn wir alle denken, dass Corona vorbei ist, dauert es einige Jahre, bis die Folgen wirklich ausgestanden sind", sagte die Managerin. Erst wenn sich die Sterblichkeitsrate normalisiere, sei wieder mit einem Wachstum der Behandlungszahlen von mehr als zwei Prozent zu rechnen.
Große Hoffnungen setzt FMC derweil auf das neue Dialysesystem 5008X. Mit dem Gerät wird die hochvolumige Hämodiafiltration (HVHDF) eingeführt, die unter anderem die Sterblichkeitsraten senken und einen effizienteren Personaleinsatz ermöglichen soll. Das System sei bereits in gut 100 Kliniken im Einsatz, im laufenden Jahr sollen rund 12.000 Geräte installiert werden - genug für etwa ein Fünftel der US-Standorte. Patienten fühlten sich nach der Behandlung sofort besser und weniger erschöpft. "Sie sind eigentlich unsere besten Fürsprecher, weil sie jedem erzählen, wie viel besser sie sich fühlen", sagte Giza. Dadurch könnten Behandlungsausfälle und Krankenhausaufenthalte sinken.
An seinen mittelfristigen Zielen bis 2028 sowie der angestrebten operativen Marge im mittleren Zehnerprozentbereich bis 2030 hält FMC fest. Vom Nahost-Krieg und Störungen der Lieferketten sieht sich der Konzern bislang kaum betroffen. Die Auswirkungen seien minimal und im Rahmen der Jahresprognose beherrschbar. "Auch wenn es immer wieder zu neuen Eskalationen kommt, fühle ich mich mit Blick auf unsere Prognosen für 2026 wohl", erklärte Giza. FMC rechnet für das Gesamtjahr weiterhin mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau und einer Entwicklung des operativen Ergebnisses zwischen einem negativen und positiven mittleren einstelligen Prozentbereich.
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