tradingkey.logo

ANALYSE-US-Zollwirren verunsichern Anleger an Anleihemärkten

ReutersFeb 23, 2026 11:12 AM
  • Unsicherheit über Folgen des US-Zoll-Urteils
  • Drohendes Loch im US-Haushalt - Dollar unter Druck
  • Keine Entscheidung über Zoll-Rückerstattungen

- von Laura Matthews und Sinéad Carew

- Das Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA gegen die Zölle von Präsident Donald Trump hat vor allem an den Anleihemärkten für Verwirrung gesorgt. Angesichts neuer Risiken und Unsicherheiten für die US-Handelspolitik sowie für die Verschuldung der weltgrößten Volkswirtschaft und den Dollar versuchten Börsianer zum Wochenstart, die Folgen für die Finanzmärkte abzuschätzen. "Die größte Sorge gilt dem Anleihemarkt", sagte Gene Goldman, Investmentchef bei Cetera Investment Management. Er verwies auf größere Emissionen, falls die Regierung gezwungen sein sollte, Rückzahlungen zu leisten und gleichzeitig andere Konjunkturprogramme zu finanzieren.

Zunächst hielten sich Anleger jedoch zurück, was Börsianer optimistisch stimmte, dass ein Absturz vermieden werden könne. Die Renditen zehnjähriger US-StaatsanleihenUS10YT=RR reagierten am Freitag auf das Zoll-Urteil mit einem leichten Anstieg auf 4,1 Prozent. Damit lagen sie - angesichts von Anzeichen einer sich abkühlenden Inflation und Erwartungen auf Zinssenkungen der US-Notenbank Fed - deutlich unter ihren Höchstständen von über 4,5 Prozent Mitte 2025. Am Montag gaben die Benchmark-Renditen um 1,4 Basispunkte auf 4,071 Prozent nach.

"Die Märkte konzentrieren sich derzeit auf die kurzfristigen Auswirkungen - nämlich eine niedrigere Inflation und schneller sinkende Zinsen", kommentierte Alberto Conca, Investmentchef bei LFG+ZEST in Lugano. "Ich halte das aber für ziemlich kurzsichtig, denn es vergrößert das ohnehin schon enorme Defizit, und die Renditekurven sollten sich angesichts der Tatsache, dass die Finanzen der US-Regierung praktisch außer Kontrolle geraten sind, noch stärker verengen."

UNSICHERHEIT BEI DEN EINNAHMEN

Das Haushaltsbüro des US-Kongresses hatte geschätzt, dass Trumps Zölle den USA in den nächsten zehn Jahren jährlich etwa 300 Milliarden Dollar einbringen würden. Der Oberste Gerichtshof hatte jedoch am Freitag in einer lange erwarteten Entscheidung die von der US-Regierung verhängten Sonderzölle für unrechtmäßig erklärt. Da der Supreme Court keine Entscheidung über Rückerstattungen getroffen hat, könnte Experten zufolge im US-Haushalt ein Loch von rund 170 Milliarden Dollar drohen.

Der Dollar reagierte am Montag zunächst mit einer Ausweitung seiner Verluste. "Das schwächt den Dollar in dem Sinne, dass es potenziell dem Wachstum außerhalb der USA zugutekommt", sagte der Währungsstratege Sim Moh Siong von der OCBC Bank mit Blick auf das Zoll-Urteil. Vor allem gegenüber dem japanischen Yen und dem Schweizer Franken geriet die US-Währung unter Druck. Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit Anfang 2025 hat der Dollar fast zwölf Prozent an Wert verloren.

Die Analysten von Barclays verwiesen auch auf positive Aspekte des Urteils für den Dollar. Die Entscheidung des Supreme Courts könne auch als ein Beispiel für eine funktionierende Kontrolle gesehen werden und einen Teil der Risikoprämie aus US-Anlagen und dem Dollar nehmen. Auch die Analysten von Morgan Stanley sind der Meinung, dass sich Anleger am Anleihemarkt keine großen Sorgen um das Haushaltsdefizit machen werden. Trump finde Ersatz für die Zölle und zusätzliche Finanzierungen könnten über kürzere Schatzanweisungen gestemmt werden. Zudem müsse möglicherweise der Scheck über 2000 Dollar von Trump ausbleiben, den der US-Präsident jedem Amerikaner aus den Zolleinnahmen in Aussicht gestellt hatte.

Haftungsausschluss: Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine Finanz- oder Anlageberatung dar

Verwandte Artikel

KeyAI