London, 07. Apr (Reuters) - Aus Sorge vor einem akuten Ölmangel infolge des Iran-Krieges zahlen europäische und asiatische Raffinerien Rekordpreise für sofortige Lieferungen. Die Nordsee-Sorte FortiesFOT-E erreichte am Dienstag laut LSEG-Daten mit 146,09 Dollar ein Allzeithoch und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2008. Damit liegt der Preis für physisches Öl, das direkt verfügbar ist, weit über den Notierungen für Terminkontrakte, bei denen die Lieferung in der Zukunft erfolgt. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sei schlichtweg Panik, sagte der langjährige Ölhändler Adi Imsirovic. "Wenn es eine echte, physische Knappheit gibt, denken die Leute nicht an Lieferungen im Juli (...), sondern an Öl, das jetzt verfügbar ist."
Auslöser der Versorgungsengpässe ist die faktische Sperrung der für den globalen Ölhandel wichtigen Straße von Hormus. Dadurch fallen täglich mindestens zwölf Millionen Barrel aus dem Nahen Osten weg, was etwa zwölf Prozent des weltweiten Angebots entspricht. "Derzeit reißt sich der Markt um kurzfristig verfügbare, für Raffinerien nutzbare Fässer", hieß es in einem Bericht der Analysten von Morgan Stanley. Dies treibt auch die Preise für Raffinerieprodukte in Europa in die Höhe: Flugzeugtreibstoff notierte am Dienstag bei 226,40 Dollar pro Barrel und damit nahe einem Rekordhoch, während Diesel 203,59 Dollar kostete.