Brüssel, 31. Mrz (Reuters) - Die Europäische Union zieht wegen der Verwerfungen an den Energiemärkten durch den Iran-Krieg eine Neuauflage der Krisenmaßnahmen zu Beginn des Ukraine-Krieges 2022 in Betracht. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen sagte am Dienstag nach einer virtuellen Konferenz der EU-Energieminister, zu den Plänen gehörten die Begrenzung von Netzentgelten und Stromsteuern. Da Dauer und Ausmaß der Krise unklar seien, bereite man sich auf verschiedene Szenarien vor und plane Schritte, die den Maßnahmen von 2022 ähnelten. Damals hatte die EU nach dem russischen Einmarsch unter anderem einen Preisdeckel für Erdgas und eine Übergewinnsteuer für Energiekonzerne eingeführt.
Jørgensen rechnet mit anhaltenden Störungen. Selbst bei einem raschen Frieden werde es Folgen geben, da Teile der Energieinfrastruktur in der Region durch den Krieg zerstört worden seien, erklärte er.
Die europäischen Erdgaspreise sind seit Beginn des Krieges der USA und Israels mit dem Iran am 28. Februar um mehr als 70 Prozent gestiegen. Zwar sind die Rohöl- und Erdgaslieferungen für die EU durch die Schließung der Straße von Hormus nicht direkt beeinträchtigt, da Europa diese Energieträger größtenteils aus anderen Regionen bezieht. Kurzfristig sorgt sich Brüssel jedoch um die Versorgung mit raffinierten Ölprodukten wie Kerosin und Diesel. Die EU bezieht rund 15 Prozent ihres Kerosins aus dem Nahen Osten.
Die letzten Lieferungen, die die Straße von Hormus vor deren Schließung passiert haben, werden nach Berechnungen des Analysehauses Argus Media um den 10. April in Europa erwartet. Es bestehe zwar keine reale Gefahr, dass das Kerosin ausgehe, sagte Benedict George von Argus Media der Nachrichtenagentur Reuters. Die europäischen Vorräte reichten für bis zu drei Monate. Die Bestände könnten jedoch auf ein Niveau sinken, das zu örtlichen Engpässen oder hohen und schwankenden Preisen führe.