27. Mrz (Reuters) - Wegen des Krieges im Iran und der faktischen Schließung der Straße von Hormus könnte der Ölpreis Experten zufolge auf bis zu 200 Dollar pro Barrel steigen. Seit Beginn der Kämpfe hat sich die Nordseesorte Brent um mehr als 50 Prozent verteuert und in der vergangenen Woche kurzzeitig die Marke von 119 Dollar überschritten. Sollten die iranischen Exportanlagen auf der Insel Kharg beschädigt werden, halten die 13 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten einen weiteren drastischen Preisanstieg für möglich. Im Durchschnitt rechnen die Experten in diesem Szenario mit einem Preis von knapp 154 Dollar. Am Freitagabend lag der Preis der Sorte BrentLCOc1 bei 112,74 Dollar.
Die vergleichsweise hohen Energiepreise belasten zunehmend die Weltwirtschaft, wobei importabhängige Länder in Europa und Asien am stärksten betroffen sind. Ein dauerhafter Ölpreis von über 150 Dollar hätte den Analysten zufolge gravierende Folgen. In Nordasien drohe eine Rationierung der Stromversorgung, während in Süd- und Südostasien Kraftstoffe für Verbraucher und Industrie knapp werden könnten, erklärte Suvro Sarkar von der DBS Bank. Zudem treffe die Entwicklung energieintensive Branchen hart. Steigende Transportkosten verteuerten Konsumgüter, jedoch ebenso Investitionsgüter, sagte Thomas Wybierek, Analyst bei der Nord/LB. Lieferkettenprobleme und höhere Kosten setzten insbesondere den Chemie- und Agrarsektor unter Druck.
Die Straße von Hormus ist ein Nadelöhr, durch das rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Erdgaslieferungen fließt. Nach Angaben des Direktors der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat der Krieg das globale Ölangebot bis zum 23. März um rund elf Millionen Barrel pro Tag verringert. US-Präsident Donald Trump verlängerte in dieser Woche zwar eine Frist für den Iran zur Wiederöffnung der Meerenge. Zugleich erwägt er jedoch den Einsatz von Bodentruppen, um die Insel Kharg einzunehmen. Über diesen Knotenpunkt laufen etwa 90 Prozent der iranischen Ölexporte.