- von Ariba Shahid und Saad Sayeed und Mubasher Bukhari
Islamabad, 24. Mrz (Reuters) - Pakistan könnte in Kürze Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran ausrichten und damit an weltpolitischer Bedeutung gewinnen. Ministerpräsident Shehbaz Sharif bestätigte am Dienstag ein Angebot für ein Treffen in Islamabad, das Insidern zufolge noch Ende dieser Woche stattfinden könnte. Von US-Seite werden demnach Vizepräsident JD Vance, der US-Gesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner erwartet. Allerdings dementierte der Iran, Gespräche mit dem Kriegsgegner zu führen oder dass Verhandlungen bevorstehen.
Dem möglichen diplomatischen Durchbruch ging eine monatelange Annäherung an US-Präsident Donald Trump voraus. Armeechef Asim Munir traf Trump bereits im Januar in Davos. Kurz darauf trat Pakistan Trumps "Board of Peace" bei. Zudem schloss das Land ein Geschäft mit einem Krypto-Unternehmen aus dem Umfeld der Trump-Familie ab und vereinbarte unter Vermittlung von Witkoff die Sanierung des New Yorker Roosevelt-Hotels, das der pakistanischen Staatsairline gehört.
"UNGEWÖHNLICHE GLAUBWÜRDIGKEIT"
Pakistan verfügt über direkte Kontakte sowohl nach Washington als auch nach Teheran - Kanäle, die für die meisten anderen Länder derzeit blockiert sind. Das Land hat seit Beginn des Konflikts mindestens ein halbes Dutzend Botschaften zwischen den USA und dem Iran übermittelt. "Pakistan genießt als Vermittler eine ungewöhnliche Glaubwürdigkeit", sagte Adam Weinstein vom Quincy Institute der Nachrichtenagentur Reuters. Das Land unterhalte tragfähige Beziehungen zu beiden Seiten, habe jedoch aufgrund historischer Spannungen genau den nötigen Abstand, um als neutraler Mittelsmann akzeptiert zu werden. Im Gegensatz zu Golfstaaten wie Katar beherberge Pakistan keine US-Militärstützpunkte und sei selbst eine Militärmacht, erklärte der Experte weiter.
Die Rolle als diplomatisches Bindeglied hat historische Wurzeln: Seit dem Abbruch der US-iranischen Beziehungen im Jahr 1979 ist die pakistanische Botschaft in Washington der Sitz der De-facto-Vertretung Teherans in den USA. Sollten die Gespräche erfolgreich sein, könnte dies Pakistans internationales Ansehen auf ein Niveau heben, das seit 1972 nicht mehr erreicht wurde. Damals half das Land bei der Vermittlung der geheimen diplomatischen Annäherung, die zum China-Besuch des damaligen US-Präsidenten Richard Nixon führte. Kamran Bokhari vom Middle East Policy Council in Washington sprach von einer massiven Aufwertung Islamabads. "Nach Jahrzehnten als Krisenstaat scheint Pakistan wieder als wichtiger amerikanischer Verbündeter in Westasien aufzutreten", sagte er.
VERTEIDIGUNGSABKOMMEN MIT SAUDI-ARABIEN
Pakistan hat zudem ein großes Eigeninteresse an einem Ende des Krieges. Analysten und Sicherheitskreisen zufolge ist die Sorge vor einem Übergreifen des Konflikts groß. Das südasiatische Land, das bereits in einen Konflikt mit den afghanischen Taliban verwickelt ist, leidet unter kriegsbedingten Treibstoffengpässen. Zudem lebt in Pakistan nach dem Iran die weltweit zweitgrößte schiitische Bevölkerungsgruppe. Als US-und israelische Angriffe am 28. Februar den obersten geistlichen Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, töteten und damit den Konflikt auslösten, kam es in Pakistan tags darauf zu landesweiten Protesten.
Erschwert wird die Lage für die Regierung in Islamabad durch ein im September unterzeichnetes gegenseitiges Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien. Als der Krieg in die zweite Woche ging und Teheran saudisches Territorium angriff, erinnerte der pakistanische Außenminister Ishaq Dar den Iran an diesen Pakt und versuchte zugleich zu vermitteln. Sicherheitskreisen zufolge ist Pakistan an das Abkommen gebunden, arbeitet jedoch über inoffizielle Kanäle mit Teheran daran, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden. Bokhari zufolge gilt Pakistan als der am wenigsten feindselige Nachbar des Iran, unterhält aber gleichzeitig engste Beziehungen zum historischen Rivalen Saudi-Arabien und genießt das Vertrauen Washingtons.