Dubai, 12. Mrz (Reuters) - Der neue Oberste Führer des Iran, Modschtaba Chamenei, hat die Bevölkerung zur Einheit aufgerufen und eine längere Schließung der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus angedroht. Zugleich kündigte er in einer am Donnerstag im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung Vergeltung für die im Krieg Getöteten an. Der Iran werde nicht davor zurückschrecken, das Blut seiner Märtyrer zu rächen, hieß es in der ersten öffentlichen Stellungnahme Chameneis seit seiner Wahl zum geistlichen und politischen Oberhaupt der Islamischen Republik am Montag.
Zudem müssten alle US-Militärstützpunkte in der Region geschlossen werden, da sie vom Iran angegriffen würden, forderte Chamenei. "Wir glauben an die Freundschaft mit unseren Nachbarn und greifen nur die Stützpunkte an", erklärte er. "Und wir werden dies unweigerlich fortsetzen."
Die USA und Israel haben am 28. Februar begonnen, den Iran aus der Luft zu bombardieren. Der Iran hat seinerseits mit Angriffen auf Israel reagiert und auch Ziele in den Golfstaaten mit der Begründung beschossen, dass dort US-Militärstützpunkte sind. Der Krieg hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus praktisch zum Erliegen gebracht. Weil diese Meerenge vor der iranischen Küste überaus wichtig für die Ölexporte der Golfanrainer ist und sich die Tanker seit Kriegsbeginn stauen, stürzten die globalen Energiemärkte ins Chaos.
Chamenei wurde nach iranischen Angaben bei einem Angriff leicht verletzt und ist seither nicht öffentlich aufgetreten. Er rief die Bevölkerung in der Erklärung dazu auf, am bevorstehenden Al-Kuds-Tag teilzunehmen. Der Al-Kuds-Tag ist ein schiitischer Gedenktag und findet jährlich am letzten Freitag des Fastenmonats Ramadan statt - in diesem Jahr ist dies der Freitag dieser Woche. An ihm gibt es üblicherweise Massendemonstrationen, mit denen die Solidarität mit den Palästinensern ausgedrückt werden soll. Al-Kuds (übersetzt "die Heilige") ist der arabische Name für Jerusalem. Allerdings haben die iranischen Sicherheitskräfte auch damit gedroht, Proteste gegen die Führung und jegliche Form von Unruhe niederzuschlagen. Erst im Januar wurden Massenkundgebungen gegen die Führung im ganzen Land mit äußerster Brutalität niedergeschlagen - Tausende Menschen wurden getötet.
Modschtaba Chamenei wurde am Montag zum neuen Obersten Führer gewählt und trat die Nachfolge seines Vaters, Ajatollah Ali Chamenei, an, der bereits zu Kriegsbeginn bei einem Angriff getötet wurde. Mit Modschtaba Chamenei steht ein Hardliner mit guten Verbindungen zu den mächtigen Revolutionsgarden an der Spitze der Islamischen Republik. Als Oberster Führer hat er in allen Belangen das letzte Wort.