Berlin/Frankfurt, 03. Mrz (Reuters) - Die ersten im Nahost-Konflikt gestrandeten Touristen aus Deutschland sind mit Sonderflügen arabischer Airlines auf der Heimreise. Die Reiseveranstalter TUITUI1n.DE und Dertour erklärten, die ersten von Tausenden Urlaubern, die durch den Ausbruch des Luftkrieges gegen den Iran in der Region festsitzen, konnten nach Hause gebracht werden. So landete in Frankfurt ein Flug der Gesellschaft Emirates aus Dubai am Dienstagmittag. Auch in München sollte eine Maschine ankommen. Insgesamt befinden sich etwa 30.000 Pauschalreisende aus Deutschland auf der arabischen Halbinsel, davon rund 5000 Kreuzfahrtpassagiere auf zwei Schiffen von TUI Cruises. Hinzu kommen individuell Reisende sowie Menschen, die in der Region arbeiten und aus Sicherheitsgründen zurückwollen.
Der Chef von TUI Deutschland, Benjamin Jacobi, sagte am Rande der Reisemesse ITB in Berlin, es sei wegen der weiterhin unsicheren Lage und der fortbestehenden Sperrung des Luftraums nicht abzusehen, wie lange die Rückführung dauert. Zunächst sollten die Gäste mit den Fluggesellschaften vom Golf - Emirates, Etihad und Qatar Airways - zurückfliegen, mit denen sie angereist waren. TUIs eigene Fluglinie TUIfly könne später einspringen, falls es entsprechende Freigaben der Flughäfen in Dubai, Abu Dhabi oder Katar gebe. "Wir schauen, dass wir möglichst schnell natürlich ein Ausreiseangebot machen können", sagte Jacobi. "Aber das wird sicherlich einige Tage dauern, möglicherweise auch Wochen - je nachdem, wie schnell der Luftverkehr zur normalen Frequenz zurückkehrt." Zusätzliche Kosten entstünden den Kunden nicht.
Auch die Lufthansa startet in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag im Auftrag der Bundesregierung einen Flug von Maskat im Oman nach Frankfurt. Außenminister Johann Wadephul sagte bei "Welt TV", zunächst sollten hilfsbedürftige Menschen ausgeflogen werden. Weitere Sonderflüge mit der Lufthansa und Condor seien geplant. Reguläre Flüge der Lufthansa Group nach Dubai und Abu Dhabi und nach Zypern sind bis 6. März ausgesetzt, zu anderen Ländern in der Region und nach Israel bis einschließlich 8. März. Auch der Luftraum der ganzen Region wird gemieden.
DERTOUR ORGANISIERT AUCH CHARTERFLÜGE
Voraussetzung für alle geplanten Flugverbindungen aus Dubai oder Abu Dhabi sei, dass die aktuelle Sicherheitslage diese zulasse, erklärte auch Dertour. "Die Sicherheit unserer Gäste hat stets oberste Priorität, und wir stehen im engen Austausch mit den Behörden und unseren Flugpartnern", sagte Dertour-Chef Christoph Debus. Die niedrige vierstellige Zahl Urlauber von Dertour, ITS und Meiers Weltreisen werde vor Ort weiter intensiv betreut. Dertour sagte wegen der weiter geltenden Reisewarnung alle Abreisen in die Region bis einschließlich 8. März ab. Betroffene könnten kostenfrei umbuchen oder erhielten eine Erstattung. "Grundsätzlich gilt: Wir bieten keine Reisen in Länder an, für die eine Reisewarnung besteht." Auch für Transitreisende über die Drehkreuze am Golf aus Asien oder vom Indischen Ozean sucht Dertour Lösungen mit Charterflügen.
Die größte Reisekrise seit der Corona-Pandemie überschattet auch die ITB. Israel wollte nach dem Gaza-Krieg den Tourismus eigentlich wieder fördern, sagte seine Teilnahme jedoch ganz ab. Die Vertreter von Nahost-Destinationen wie Dubai oder Katar konnten teilweise wegen der Flugausfälle nicht anreisen. Emirates-Chef Tim Clark hatte seinen Besuch zur Messe in Berlin schon am Samstag abgesagt. Am Stand nahmen die deutschen Vertreter von Emirates Termine wahr, doch zwei Abendempfänge wurden einem Sprecher zufolge abgesagt. Die ITB sei die größte Messepräsenz außerhalb des Heimatmarktes Dubai, erklärte die Airline. Das Engagement für diese etablierten Partnerschaften bleibe trotz der vorübergehenden Einschränkungen unverändert.
Die Vereinigten Arabischen Emirate erklärten, die Lage vor Ort sei stabil. Sicherheit habe oberste Priorität, die Hotels in Dubai stünden bereit, Aufenthalte zu verlängern. Neben Emirates, die mehrere Ankünfte in Deutschland für Mittwoch plant, hat auch FlyDubai seit Montag einige Flüge wieder aufgenommen. Doch die seit Jahren boomende Urlaubsregion wird nach Einschätzung von TUI-Manager Jacobi eine Delle in der Nachfrage sehen. "Das hängt aber natürlich sehr stark jetzt auch davon ab, wie sich diese kriegerische Auseinandersetzung dort weiterentwickelt."
TUI hoffe, dass sich die Lage möglichst schnell beruhige. "Aber für den Moment ist das natürlich noch nicht in Sicht." An den aktuellen Buchungen sei schon zu erkennen, dass neben den Golf-Staaten auch das nahegelegene Ägypten weniger gefragt sei. Verbraucher schwenkten jetzt auf das westliche Mittelmeer um.