Genf/Beirut, 24. Feb (Reuters) - Israel hat dem Libanon zwei libanesischen Insidern zufolge mit schweren Angriffen auf die zivile Infrastruktur des Landes gedroht, sollte die Hisbollah-Miliz sich in einen Krieg zwischen den USA und dem Iran einmischen. Zu Zielen würden auch zivile Einrichtungen wie der Flughafen gehören, erläuterten die Insider am Dienstag die indirekt übermittelte Botschaft. Die schiitische Hisbollah-Miliz ist ein enger Verbündeter des Irans und wurde von dessen Revolutionsgarden 1982 gegründet. Hisbollah-Anführer Naim Kassem versteht die Miliz im Konflikt zwischen USA und Iran als nicht neutral. Die USA verlangen vom Iran in den gegenwärtigen Verhandlungen nicht nur eine vollständige Einstellung der Urananreicherung und eine Begrenzung seines Raketenprogramms, sondern auch ein Ende der Unterstützung regionaler Verbündeter - allen voran der Hisbollah, der Hamas im Gazastreifen und der Huthi-Miliz im Jemen. Der Iran und die USA setzen nach Angaben des Vermittlers Oman ihre Beratungen am Donnerstag in Genf in einer dritten Gesprächsrunde fort.
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mehrfach mit einem Angriff des US-Militärs gedroht, sollte es bei den Verhandlungen zu keinem Ergebnis kommen. Am Dienstag erklärte seine Sprecherin Karoline Leavitt, Trumps erste Wahl sei immer die Diplomatie, aber er sei bereit, notfalls auch tödliche Gewalt anzuwenden.
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu reagierte zunächst nicht auf Anfragen zu einer Stellungnahme. Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam, dessen Regierung seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr die Entwaffnung der Hisbollah anstrebt, rief diese in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Zeitung "Nida al-Watan" auf, den Libanon nicht in ein "weiteres Abenteuer" zu führen. "Das Gaza-Abenteuer ist den Libanon teuer zu stehen gekommen. Wir hoffen, dass wir nicht in ein weiteres Abenteuer hineingezogen werden."
Die Hisbollah hat sich im Gaza-Krieg solidarisch mit der Hamas erklärt. Die israelischen Sicherheitskräfte haben die Miliz im Libanon massiv angegriffen und etliche ihrer Kommandeure gezielt getötet - im September 2024 auch Hassan Nasrallah, der jahrzehntelang die Hisbollah führte. Sein Nachfolger Kassem erklärte im Januar in einer Fernsehansprache, die Hisbollah - die sowohl Partei als auch Miliz ist - sei in der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran "nicht neutral". "Wir sind entschlossen, uns zu verteidigen. Wir werden zu gegebener Zeit entscheiden, wie wir handeln, ob wir eingreifen oder nicht", sagte Kassem.
Im Zuge des Krieges im Gazastreifen, der mit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 begonnen hatte, griff die Hisbollah den Norden Israels unter anderem mit Raketen an. Israel griff aus der Luft nicht nur den Südlibanon an, wo die Hisbollah ihre Hochburgen hat, sondern auch die Hauptstadt Beirut. Zudem waren israelische Bodentruppen in der Nacht vom 30. September auf 1. Oktober 2024 in den Südlibanon eingerückt - zum vierten Mal nach 1978, 1982 und 2006. Die Kämpfe zwischen dem israelischen Militär und der Hisbollah endeten mit einem Waffenruhe-Abkommen, das am 27. November 2024 in Kraft trat. Allerdings greift das israelische Militär auch weiterhin immer wieder Ziele im Libanon an, die es für Hisbollah-Einrichtungen hält. Nach libanesischen Angaben sind seit der Waffenruhe bei israelischen Luftangriffen im Libanon rund 400 Menschen getötet worden.