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Münchner Startup ERC lässt tonnenschweren Elektroflieger abheben

ReutersFeb 9, 2026 11:01 PM
  • Senkrechtstarter "Romeo" absolviert öffentlichen Testflug
  • Fluggerät soll ab 2031 Nutzlasten von 500 Kilo transportieren
  • Tochter des Airbus-Partners IABG sieht sich gut finanziert
  • Luftrettungsfirma DRF will Elektroflieger einsetzen

- von Jörn Poltz

- Das Münchner Startup ERC System hat nach eigenen Angaben einen der größten und schwersten Elektroflieger in Europa in die Luft gebracht. Der für Transporte konzipierte Senkrechtstarter "Romeo" wiege 2,7 Tonnen und habe Tragflächen von 16 Metern Spannweite, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Das noch unbemannte Gerät von der Größe eines Hubschraubers flog am vergangenen Freitag auf dem Militärflugplatz Erding bei München vor Journalisten eine erste öffentliche Testrunde.

"Wir haben bewiesen, dass wir es schaffen, diese 2,7 Tonnen in die Luft zu kriegen und deswegen auch später die notwendige Nutzlast", sagte Co-Chef und Mitgründer Maximilian Oligschläger der Nachrichtenagentur Reuters bei der Vorführung. Der Prototyp besitzt eine Kabine, in der Sitze für sechs Personen Platz finden, startete aber aus Sicherheitsgründen leer und ferngesteuert. Das Fluggerät solle 2031 marktreif sein und Nutzlasten von rund einer halben Tonne transportieren, kündigte der 27-jährige Maschinenbauer an.

Von den Geldproblemen der vielfach von Wagniskapitalgebern abhängigen Branche lässt sich ERC mit seinen 60 Mitarbeitern nicht entmutigen. "Wir haben einen strategischen Investor", sagte Oligschläger. ERC ist eine Tochter des bayerischen Technologiekonzerns IABG. Der private Dienstleister für Luftfahrt und Militär arbeitet seit Jahrzehnten für AirbusAIR.PA und die Bundeswehr. "Die IABG hat einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag bei uns investiert", sagte Oligschläger. "Wir profitieren tagtäglich von der Erfahrung, die die IABG hat."

Weiterer Partner ist der Hubschrauber-Betreiber DRF Luftrettung, der neben dem ADAC zu den Marktführern zählt und als künftiger ERC-Kunde bei der Entwicklung Pate steht. "Der Hauptanwendungsfall wird der Patiententransport sein, zwischen den Krankenhäusern", sagte DRF-Manager Christian Müller-Ramcke am Rande des Testflugs. Weil viele Krankenhäuser geschlossen würden, steige die Zahl der Patiententransporte. Elektroflieger werde man wegen der einfacheren Motoren günstiger betreiben können als klassische Hubschrauber. Und weil sie schneller seien als Krankentransporte auf der Straße, sparten sie auch dem teuren Begleitpersonal kostbare Zeit.

Im Gegensatz zu anderen Elektroflieger-Startups konzentriere sich ERC damit zunächst auf Nischenmärkte, die später als Sprungbrett für weitere Anwendungen dienen könnten, sagte Oligschläger. "Kritische Missionen, so nennen wir das." Als Beispiele nannte er neben Krankentransporten auch Militärlogistik, Feuerbekämpfung und Frachtflüge etwa zu Inseln. Andere Startups hatten hingegen von Anbeginn auf einen erhofften Massenmarkt für Flugtaxis gewettet.

BRANCHE KÄMPFT MIT TECHNIK- UND GELDPROBLEMEN

Um Hindernisse durch begrenzte Batteriekapazitäten und mangelnde Ladeinfrastruktur zu umgehen, will ERC seinen Flieger später als Hybridmodell anbieten. "Für die Vorwärtspropeller und für die Vertikalpropeller haben wir Elektromotoren", erläuterte Oligschläger. Zusätzlich solle jedoch ein Verbrennungsmotor die Batterien aufladen und damit die Reichweite verlängern. Weil das Gerät nur wie ein Hubschrauber starte, vorwärts jedoch mit seinen Tragflächen sparsamer fliege, wie ein Flugzeug, seien Reichweiten von rund 800 Kilometern geplant.

Während der Markt für Elektroautos boomt, stecken Elektroflieger zum Transport von Menschen noch in den Kinderschuhen. Mit überschaubarem Erfolg begannen neben Startups auch Branchengrößen wie Airbus und BoeingBA.N mit dem Bau elektrischer Senkrechtstarter, die wegen des "electric vertical take-off and landing" im Fachjargon auch "eVTOL"-Fluggeräte genannt werden. Die anspruchsvolle Technologie und hohe Sicherheitsanforderungen verschlingen viel Geld. Im vergangenen Jahr schlitterten die Startups Lilium5KD.D aus Bayern und Volocopter aus Baden-Württemberg in die Insolvenz. Zu den bekannten Namen der Branche zählen auch die US-Firmen ArcherACHR.N und JobyJOBY.N, die sich Geld an der Börse besorgten.

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