
07. Feb (Reuters) - TeslaTSLA.O treibt die ambitionierten Pläne von Firmenchef Elon Musk für eine massive Ausweitung der Solarsparte voran und sucht dafür verstärkt Personal. Aus einer Stellenausschreibung geht auch erstmals ein konkreter Zeitplan hervor: Bis Ende 2028 soll eine Fertigungskapazität von 100 Gigawatt (GW) in den USA aufgebaut werden. Dies belegen jüngste Online-Beiträge leitender Manager. Musk hatte das Ziel im vergangenen Monat ausgegeben, einen zeitlichen Rahmen nannte er damals jedoch nicht. Der E-Autohersteller und Musk reagierten zunächst nicht auf Anfragen zur Stellungnahme.
"Dies ist ein kühnes, ehrgeiziges Projekt", schrieb Seth Winger, ein leitender Manager für Solarprodukte, auf der Plattform LinkedIn. Man brauche Ingenieure und Wissenschaftler, um schnell zu wachsen. "Wenn Sie schwierige Fertigungsprobleme in rasantem Tempo lösen und den USA zu einem Durchbruch bei der Erzeugung erneuerbarer Energien verhelfen wollen, kommen Sie zu uns." Auch andere Führungskräfte wie Technik-Direktor Ralf Gomm veröffentlichten in dieser Woche ähnliche Aufrufe. In der Ausschreibung für einen Entwicklungsingenieur heißt es explizit, Ziel sei der Aufbau einer 100-GW-Fertigung "ausgehend von den Rohstoffen in den USA".
Das Vorhaben gilt in der Branche als ehrgeizig. Den Daten der Solar Energy Industries Association zufolge verfügen die USA derzeit lediglich über eine Kapazität von 65 GW für Solarmodule und 3,2 GW für Solarzellen. Letztere sind die entscheidende Komponente zur Umwandlung von Sonnenlicht in Energie, deren Produktion derzeit von China dominiert wird. Analysten bewerten Musks Zeitpläne oft skeptisch, da er in der Vergangenheit häufiger Prognosen verfehlt hat. Jeff Osborne von TD Cowen bezeichnete die Ziele in einer Notiz als "eher Wunschdenken als wahrscheinlich".
Mit seiner Strategie setzt sich Musk von der Linie der US-Regierung unter Donald Trump ab, in der er zuvor das Amt für Regierungseffizienz geleitet hatte. Während Musk Solarstrom und Batteriespeicher als besten Weg bezeichnet, den steigenden Energiehunger der Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) zu stillen, hat Trump erneuerbare Energien offen kritisiert. Der Präsident bezeichnete diese als teuer und ineffizient. Seine Regierung geht gegen die Solar- und Windenergie vor und fördert dagegen fossile Energieträger und die Kernkraft.
Tesla hatte in der Vergangenheit Schwierigkeiten beim Aufbau einer Solarfertigung. Nach der Übernahme von SolarCity 2016 sollte in einer Fabrik in Buffalo im Bundesstaat New York eigentlich eine Produktion von einem Gigawatt entstehen. Der Partner Panasonic stieg jedoch 2020 aus dem Projekt aus. Heute nutzt Tesla die Anlage, um neben den "Solar Roof"-Dachziegeln, die nur einen kleinen Teil des Geschäfts ausmachen, vor allem Supercharger-Ladesäulen für seine E-Autos herzustellen.