
Washington/Havanna/Mexiko-Stadt, 06. Feb (Reuters) - Die USA haben ihre humanitäre Hilfe für Kuba aufgestockt und zugleich den Druck auf Öllieferanten erhöht. Das Außenministerium in Washington kündigte am Donnerstag (Ortszeit) weitere sechs Millionen Dollar Unterstützung für den Karibikstaat an. Der US-Beauftragte für die Hilfsgüter, Jeremy Lewin, sagte auf einer Pressekonferenz, dass sich die Hilfe der USA damit für die kubanische Bevölkerung seit dem Hurrikan Melissa im Oktober auf insgesamt neun Millionen Dollar belaufen würde. Die Güter sollen über die katholische Kirche verteilt werden.
Der stellvertretende kubanische Außenminister Carlos Fernandez de Cossio bezeichnete diesen Schritt als doppelzüngig. "Es ist ziemlich heuchlerisch, drakonische Zwangsmaßnahmen anzuwenden, die Millionen Menschen grundlegende wirtschaftliche Bedingungen entziehen, und dann Suppe und Konserven für einige wenige anzukündigen", sagte de Cossio in den sozialen Medien. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, dass Kuba nach der Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolas Maduro im vergangenen Monat kein Öl mehr aus Venezuela erhalten wird, und gedroht, anderen Lieferanten wie Mexiko Zölle aufzuerlegen, wenn sie weiterhin Treibstoff auf die Insel liefern. UN-Generalsekretär António Guterres warnte in dieser Woche vor einem humanitären "Zusammenbruch" auf der Insel, die zwei Drittel ihres Energiebedarfs durch Importe deckt.
Mexiko sucht unterdessen nach Wegen zur Umgehung dieser Drohungen. Regierungsvertreter prüften derzeit, wie Treibstoff geliefert werden könne, ohne US-Strafzölle zu riskieren, sagten am späten Donnerstagabend (Ortszeit) vier mit der Angelegenheit vertraute Personen. Den Insidern zufolge führen mexikanische Beamte Gespräche mit der US-Regierung, um Öllieferungen möglicherweise als humanitäre Hilfe zu deklarieren. Mexiko hatte seine Exporte Mitte Januar auf Druck von US-Präsident Donald Trump eingestellt. Präsidentin Claudia Sheinbaum steht jedoch innenpolitisch unter Druck, das historisch verbündete Kuba nicht im Stich zu lassen.