
Wien, 04. Feb (Reuters) - Die deutlich gesunkenen Füllstände der europäischen Gasspeicher dürften nach Einschätzung des Energiekonzerns OMVOMVV.VI im Sommer zu einer höheren Nachfrage und damit potenziell steigenden Preisen führen. "Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass die Speicher am Ende der Heizsaison deutlich niedriger gefüllt sein werden als im Vorjahr", sagte Konzernchef Alfred Stern am Mittwoch bei der Präsentation der Jahresergebnisse. Dies erhöhe den Bedarf, Energie im Sommer zu speichern. Dies sei ein "grundsätzlich preistreibender Effekt". Er regte deshalb ein Umdenken in der Energiepolitik an: "Aus unserer Sicht wäre ein EU-weiter strategischer Gasreservemechanismus anstelle starrer Befüllungsvorgaben die effizientere Lösung."
Die aktuellen Speicherstände lägen klar unter dem Vorjahresniveau, bewegten sich aber noch im Fünfjahresdurchschnitt. In der Europäischen Union seien die Lager derzeit zu rund 44 Prozent gefüllt, in Deutschland zu knapp 35 Prozent und in Österreich zu rund 48 Prozent. Als Gründe nannte der OMV-Chef die Kälte der vergangenen Wochen und das Fehlen russischer Gasflüsse, die in früheren Wintern noch zur Verfügung gestanden hätten. Dramatische Preissprünge erwartet der Konzern jedoch nicht. Sollte es zu Kältewellen kommen, seien temporäre Preisspitzen möglich, um kurzfristig mehr Flüssiggas (LNG) nach Europa zu ziehen, sagte OMV-Vorstand Berislav Gaso.
Hoffnungen setzt der österreichische Energiekonzern auf das Gasprojekt Neptun Deep im Schwarzen Meer. Das Vorhaben liege sowohl zeitlich als auch bei den Kosten im Plan, sagte Gaso. Das Feld soll ab 2027 erstmals Gas liefern und über mindestens zehn Jahre eine Plateauproduktion von 140.000 Barrel pro Tag liefern. Davon entfalle die Hälfte auf die OMV. Das Projekt werde primär die Versorgungssicherheit in Südosteuropa stabilisieren und Rumänien zum Nettoexporteur machen. Über Ungarn und die Slowakei könne das Gas auch zum österreichischen Gasknoten Baumgarten gelangen. Ein größeres Angebot helfe der gesamten europäischen Versorgungssicherheit und sorge damit für niedrigere Preise.
Zur aktuellen Versorgungssicherheit trägt zudem Gas aus Norwegen und Übersee bei. Aus der eigenen Produktion in Norwegen beziehe die OMV etwa 20 Terawattstunden (TWh), sagte Gaso. Zudem importiere der Konzern über den Hafen in Rotterdam 36 TWh Flüssigerdgas. Ein signifikanter Anteil davon stamme wahrscheinlich aus den USA. Man wisse zwar nicht immer genau, woher die Lieferungen stammten, es stehe aber fest, dass es sich nicht um russisches Gas handele.