
Gold und Bitcoin – jahrelang als gleichwertige Alternativen gefeiert – entwickeln sich plötzlich komplett unterschiedlich. Während Gold ein neues Rekordhoch nach dem anderen markiert, verliert Bitcoin spürbar an Momentum. Zufall? Ganz sicher nicht.
Die Analysten von Yardeni Research sehen einen klaren Schuldigen: den US-Dollar. Und genau hier beginnt eine Entwicklung, die für Anleger entscheidend werden könnte.
Seit Jahren wird Bitcoin als digitales Pendant zu Gold verkauft. Doch laut Yardeni Research gibt es ein grundlegendes Problem: Beide Assets lassen sich kaum seriös bewerten. Weder Gold noch Bitcoin zahlen Zinsen oder Dividenden. Ihr Wert basiert fast ausschließlich auf Vertrauen, Knappheit und Nachfrage.
Doch genau hier trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen.
Während Gold seit Jahrtausenden als physischer Wertspeicher akzeptiert ist, bleibt Bitcoin ein rein digitales Konstrukt. Und das birgt Risiken, die viele Anleger bisher konsequent verdrängt haben.
Yardeni Research warnt offen davor, dass Bitcoin eines Tages durch Quantencomputer angreifbar werden könnte. Die Kryptografie, auf der das Netzwerk basiert, gilt zwar heute als sicher – aber eben nur nach heutigem Stand der Technik.
Gold dagegen liegt physisch im Tresor. Es kann nicht gehackt werden. Genau dieser Unterschied gewinnt in unsicheren Zeiten plötzlich massiv an Bedeutung.
Bitcoin bleibt, was er immer war: extrem volatil. Laut Yardeni Research schoss der Kurs Ende 2025 auf fast 125.000 US-Dollar – ein Allzeithoch. Doch kurz darauf folgte der Rückschlag. Der Kurs rutschte wieder in Richtung 90.000 US-Dollar.
Für Trader mag das spannend sein. Für Anleger, die Stabilität suchen, ist es ein Warnsignal.
Ganz anders Gold. Seit dem entscheidenden Ausbruch im März 2024 hat das Edelmetall eine beeindruckende Rally hingelegt. Der Preis stieg um das 2,5-Fache und durchbrach Anfang 2025 erstmals die Marke von 3.000 US-Dollar je Unze.
Und das ist aus Sicht von Yardeni Research noch lange nicht das Ende. Die Analysten halten an einer spektakulären Prognose fest: Gold könnte bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf 10.000 US-Dollar steigen.
Eine Zahl, die wirkt. Und eine Ansage, die sitzt.
Der eigentliche Treiber dieser Entwicklung ist die Währung. Yardeni Research bringt es klar auf den Punkt: Ein schwächerer US-Dollar ist schlecht für Bitcoin. Warum? Weil Bitcoin in anderen Währungen an Wert verliert – und internationale Investoren dann verkaufen.
Genau dieses Kapital könnte aktuell in Gold umgeschichtet werden.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Ein schwacher Dollar erhöht den Inflationsdruck in den USA. Und Inflation ist historisch einer der stärksten Preistreiber für Gold. Doppelte Unterstützung für das Edelmetall – doppelter Gegenwind für Bitcoin.
Nach Einschätzung von Yardeni Research profitieren US-Investoren von der Dollar-Schwäche zunehmend von Auslandsinvestments. Das stützt nicht nur Gold, sondern auch Schwellenländer-Aktien. Bitcoin dagegen verliert in diesem Umfeld seine Sonderrolle.
Das Narrativ vom „digitalen Gold“ bekommt Risse. Und genau das zeigt sich jetzt im Kurs.
Was wir aktuell sehen, ist keine kurzfristige Laune des Marktes. Es ist eine Verschiebung von Vertrauen. Gold punktet mit Stabilität, Inflationsschutz und physischer Sicherheit. Bitcoin bleibt ein Hochrisiko-Asset mit enormem Potenzial – aber eben auch mit systemischen Schwächen.
Für Anleger heißt das: Die Karten werden neu gemischt. Und wer jetzt nicht genau hinschaut, könnte die entscheidende Bewegung verpassen.