
Moskau/Athen/London, 13. Jan (Reuters) - Nach den jüngsten Drohnenangriffen auf zwei Öltanker im Schwarzen Meer haben sich die Versicherungskosten für Schiffe in der Region fast verdoppelt. Auch die Kosten für einen Hafenaufenthalt in den Terminals im Schwarzen Meer zogen an und kletterten auf ein Prozent des Schiffswertes, wie fünf Brancheninsider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Ende Dezember lagen sie noch bei 0,6 bis 0,8 Prozent. Das Schwarze Meer ist eine wichtige Route für den Transport von Getreide, Öl und Ölprodukten.
Die beiden griechisch geführten Tanker wurden am Dienstag auf dem Weg zu einem Terminal an der russischen Küste von unbekannten Drohnen getroffen. Einer davon war von Chevron gechartert, wie der US-Ölkonzern mitteilte. Wer hinter den Angriffen steckt, war zunächst unklar. Die ukrainische Regierung, die in der Vergangenheit wiederholt die russische Energieinfrastruktur ins Visier genommen hat, äußerte sich nicht.
Das kasachische Energieministerium bestätigte den Drohnenangriff auf die beiden Tanker. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Terminals des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC). Zu den Anteilseignern der 1500 Kilometer langen Pipeline gehören die staatliche kasachische Ölgesellschaft KazMunayGas, die russische LukoilLKOH.MM sowie Tochtergesellschaften der US-Ölkonzerne ChevronCVX.N und ExxonMobilXOM.N. Die Schiffe hätten kasachisches Öl laden sollen. Die kasachischen Exporte seien jedoch nicht beeinträchtigt worden, da zum Zeitpunkt des Angriffs keine Verladung stattfand, teilte das Ministerium mit.
Die jüngsten Vorfälle haben zu einer deutlich höheren Risikobewertung für Fahrten zu ukrainischen und russischen Terminals geführt. David Smith vom Versicherungsmakler McGill and Partners sprach von extrem volatilen Prämien. "Im Moment schießen sie aufgrund einer Reihe von Vorfällen in die Höhe", sagte er. Munro Anderson vom Spezialversicherer Vessel Protect erklärte, eine rasche Risikoeskalation ohne Vorwarnung sei zu einem Kennzeichen der Lage im Schwarzen Meer geworden. Zudem werden die Versicherungsbedingungen nun alle 24 Stunden überprüft, während es im vergangenen Monat noch alle 48 Stunden waren. Schiffe, die russische oder ukrainische Häfen im Schwarzen Meer anlaufen, benötigen eine zusätzliche Kriegsrisikoversicherung, die in der Regel für einen Zeitraum von sieben Tagen abgeschlossen wird.