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Elderson: Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen birgt Risiko für Preisstabilität

ReutersApr 7, 2026 4:30 AM

- Der Ölpreisschock stürzt die EZB laut Direktoriumsmitglied Frank Elderson in ein Dilemma. "Wir haben es mit einem komplexen Szenario zu tun, das nicht leicht zu bewältigen ist", erklärte er in einem EZB-Blog, der am Dienstag zunächst als Gastbeitrag in der "Financial Times" veröffentlicht wurde. Versuche man, die Inflation durch Straffen der geldpolitischen Zügel einzudämmen, könne dies den Konjunkturabschwung vertiefen: "Lockert man sie zur Wachstumsförderung, kann dies die Inflation verfestigen", fügte der EZB-Direktor hinzu, der zugleich Vizechef der Bankenaufsicht "Single Supervisory Mechanism" (SSM) der Europäischen Zentralbank (EZB) ist.

In der Theorie könnten Zentralbanken vorübergehende Angebotsschocks außer Acht lassen, solange diese nicht zu einem breiter gefassten und dauerhafteren Preisdruck führten, die Inflationserwartungen verankert blieben und keine Lohn-Preis-Spirale einsetze. All diese Voraussetzungen würden jedoch durch wiederholte und dauerhafte Energiepreisschocks untergraben.

Die Preise im Euroraum sind mit Beginn des Nahost-Kriegs massiv gestiegen und nähren neue Inflationssorgen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im März um durchschnittlich 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft im Währungsraum gilt. Damit steigt der Druck auf die EZB, bei ihrer nächsten Sitzung Ende April über eine Erhöhung des Leitzinses nachzudenken, um gegen die anziehende Inflation vorzugehen. Elderson erklärte, die wiederholten Energiepreisschocks machten es der EZB zusehends schwierig, ihr Preisstabilitätsziel zu erreichen.

PLÄDOYER FÜR ENERGIEWENDE

Die Energieabhängigkeit Europas sei mittlerweile eine der verwundbarsten Stellen der Wirtschaft, betonte Elderson: "Die jüngsten Energiepreisschocks haben Europa sehr viel Geld gekostet, Notfallmaßnahmen ausgelöst und die öffentlichen Finanzen belastet. Diese Kosten sind spürbar, wiederkehrend und weitenteils nutzlos." Europa könne geopolitische Risiken nicht aus der Welt schaffen. Es könne die Angriffsfläche für sie aber deutlich verkleinern. "Am besten lässt sich dies durch die Verringerung der Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen und die Beschleunigung einer geordneten Umstellung auf heimische saubere Energie erreichen." Würde Europa seine Ziele für erneuerbare Energien erreichen, dann würden die Energiepreise im Inneren weitaus weniger von volatilen globalen Energiemärkten beeinflusst.

Es gelte, als Erstes die bestehenden Dekarbonisierungsziele zu erreichen und das Emissionshandelssystem als glaubwürdiges, marktbasiertes Instrument für die Bepreisung von CO2-Emissionen zu erhalten. All dies sei nicht einfach. "Aber es geht im Grunde nicht mehr darum, ob sich Europa die Energiewende leisten kann. Die eigentliche Frage ist, ob wir es uns leisten können, die Wende nicht zu schaffen. Aus Zentralbanksicht liegt die Antwort auf der Hand", betonte der Niederländer.

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