Berlin, 16. Mrz (Reuters) - Bundesbankvorstandsmitglied Fritzi Köhler-Geib sieht die Frage der europäischen Souveränität als schlagendes Argument für einen digitalen Euro. Es mangele derzeit noch an einer eigenen paneuropäischen Infrastruktur bei Zahlungsmitteln, sagte sie am Montag bei einer Online-Veranstaltung des OECD Berlin Centre. Es sei an der Zeit, dass sich Europa unabhängiger von US-Anbietern wie MastercardMA.N oder VisaV.N mache. Es gebe zwar viele Ansätze auf dem Kontinent, doch habe sich noch keines dieser Angebote europaweit durchgesetzt, sagte Köhler-Geib. Die Top-Ökonomin ist im Bundesbankvorstand unter anderem für Informationstechnologie und Risikocontrolling zuständig.
Da man es mit einer "souveränen Aufgabe" zu tun habe, sei das Eurosystem aus Europäischer Zentralbank und den nationalen Notenbanken der Staaten der Währungsunion vermutlich eine gute Adresse, um ein digitales Zahlungsmittel zur Verfügung zu stellen. Daneben könnten auch weiter private Initiativen existieren. Sie stelle sich ein "Ökosystem von Zahlungsmöglichkeiten in Europa" vor - privat und öffentlich, sagte Köhler-Geib.
Der Chef des Bundesverbands deutscher Banken, Christian Sewing, hat gefordert, der Digitale Euro dürfe auf keinen Fall eine Parallelwelt werden. Er werde aus Sicht der Banken nur überzeugen können, wenn er sich in die bestehenden Wallet-Lösungen wie etwa Wero einfüge, sagte der Chef der Deutschen Bank unlängst. Wero ist ein digitales Zahlungssystem, das Überweisungen in Sekundenschnelle zwischen Bankkonten ermöglicht. Es wird von der European Payments Initiative betrieben, einem Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsanbieter, zu dem auch die Deutsche Bank gehört. Überdies gibt es mit Bizum ein von spanischen Banken getragenes Sofortzahlungs‑System, das in die Banking-Apps von Geldhäusern integriert ist.
Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt das Jahr 2027 für ein Pilotprojekt zum digitalen Euro an. Die digitale Version der Gemeinschaftswährung soll das Euro-Bargeld ergänzen, aber nicht ersetzen und überall im Euro-Raum als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Über eine EZB-App soll die Digitalwährung nutzbar sein.