
20. Jan (Reuters) - Bundesbankchef Joachim Nagel blickt mit Sorge auf die Debatte über die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Dies sei eine "sehr gefährliche Diskussion", sagte er am Dienstag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Er habe nie gedacht, dass er in seiner Berufslaufbahn einmal darüber sprechen müsse, dass die Unabhängigkeit der US-Zentralbank in Gefahr sei. Er wolle die US-Regierung bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass die USA nach dem Zweiten Weltkrieg dafür gesorgt hätten, dass die Bundesrepublik die unabhängige Bundesbank habe aufbauen können. Damit sei auch eine Basis für die jahrzehntelange Wachstumsgeschichte des Landes gelegt worden. "Und jetzt müssen wir über die Unabhängigkeit der Fed diskutieren", fügte er hinzu. Zugleich nannte Nagel den US-Notenbankchef Jerome Powell einen exzellenten Zentralbanker, der über die vergangenen Jahre "eine enorm gute Erfolgsbilanz" vorzuweisen habe.
Das US-Justizministerium hat gegen den Notenbankchef im Zusammenhang mit Kostenüberschreitungen bei einem 2,5 Milliarden Dollar teuren Renovierungsprojekt am Sitz der Fed in Washington Ermittlungen eingeleitet. Powell weist die Vorwürfe zurück und spricht von einem Vorwand, um ihn wegen der von US-Präsident Donald Trump seit langem geforderten Zinssenkungen unter Druck zu setzen. Notenbanken aus aller Welt, darunter auch die EZB, solidarisierten sich in einer gemeinsamen Erklärung mit Powell, dessen Amtszeit im Mai endet.