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SPOTANALYSE-Ökonomen zum überraschenden Auftragsplus in der Industrie

ReutersJan 8, 2026 7:38 AM

- Die deutsche Industrie hat im November überraschend den dritten Monat in Folge mehr Aufträge erhalten. Die Bestellungen wuchsen um 5,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist der dritte Zuwachs in Folge und das größte Plus seit Dezember 2024. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit einem Rückgang von 1,0 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es dazu:

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

"Die Auftragseingänge werden in den kommenden Monaten vor allem auch von Rüstungsaufträgen geprägt bleiben. Der US-Angriff auf Venezuela führt eindrücklich vor Augen, dass es der derzeitigen Weltordnung auf militärische Stärke ankommt. Dies werden auch die europäischen Staaten beherzigen müssen. Die deutsche Rüstungsindustrie wird deshalb zu einem der wichtigsten industriellen Treiber gehören. Entscheidend für den Auftragseingang wird aber auch sein, wie schnell die Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen in konkreten Projekten münden. In der Summe dürfte sich die Auftragssituation im Jahr 2026 sukzessive bessern."

JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:

"Auch wenn die Zahl noch das Vorjahr betrifft – das war sozusagen ein Auftakt nach Maß. Endlich mal eine Zahl von der deutschen Konjunktur, an der es nichts zu meckern gibt. Auch bereinigt oder geglättet ist das ein echtes Zeichen für eine mögliche Trendwende der Konjunktur. Dem Vernehmen nach könnten die Militärausgaben einen wesentlichen Impuls gegeben haben, was für sich genommen kein dauerhaft höheres Wachstumspotential generieren würde. Aber das ist erst einmal nachrangig. Wichtiger ist in der aktuellen Lage, dass es überhaupt einmal ein Lebenszeichen von der Industrie gibt."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

"Lässt man die stark schwankenden Großaufträge außen vor, sind die Orders zum dritten Mal in Folge gestiegen. Das ist positiv. Aber die Kerngröße der Auftragseingänge hat den seit 2024 etablierten Seitwärtskanal noch nicht nach oben durchstoßen. Die weiter nach vorne schauenden Stimmungsindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima sind zuletzt sogar gefallen. Alles in allem zeichnet sich die von vielen für 2026 erhoffte konjunkturelle Erholung in den Frühindikatoren noch nicht ab."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE PRIVATBANK:

"Der Auftragszuwachs ist ein richtiger Klopper am Morgen. Er ist allerdings auf Großaufträge zurückzuführen, die im nächsten Monat fehlen werden. Für den nächsten Monat ist mit einer entsprechenden Gegenbewegung zu rechnen. Alles in allem bleibt die Lage in der Industrie damit zunächst noch angespannt. Manche Unterstützung für die Industrie ist politisch zwar eingeleitet worden, etwa für die Autoindustrie. Es ist aber noch viel Luft nach oben, bis Standortbedingungen attraktiv werden. Als Frühbote des Fiskalpakets ist der Auftragszuwachs eher nicht zu verstehen."

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