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SPOTANALYSE-Ökonomen zum überraschend gesunkenen Ifo-Index

ReutersDec 17, 2025 9:27 AM

- Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hat sich zum Jahresende erneut eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Dezember auf 87,6 Zähler und damit den zweiten Monat in Folge, nach 88,0 Punkten im November, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hingegen mit einem Mini-Anstieg auf 88,2 Zähler gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es:

MICHAEL HERZUM, UNION INVESTMENT:

"Die Ernüchterung der vergangenen Monate ist einer gewissen Ungeduld seitens der Unternehmen geschuldet. Die Umsetzung der Investitionspakete der Bundesregierung, die der Wirtschaft einen kräftigen Impuls geben sollen, lässt schon eine ganze Weile auf sich warten. Der stimmungsaufhellende Ankündigungseffekt ist mittlerweile verpufft. Jetzt warten die Unternehmen darauf, dass die Regierung den Worten Taten folgen lässt. Die gute Nachricht: Das geschieht gerade. Das Sondervermögen der Bundesregierung ist da, und die Mittel können nun abgerufen werden. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis die ersten Bagger für die Infrastrukturprojekte rollen und die Investitionen der Regierung auch bei den Unternehmen ankommen.

Von den deutschen Investitionen wird der gesamte Euroraum profitieren, denn der Wachstumsmotor würde dadurch wieder auf mehreren Zylindern laufen. Spaniens Wirtschaft wächst schon seit Längerem sehr gut, Frankreich und Italien tragen ebenfalls positiv zum Wachstum bei. Kommt nun noch ein positiver Impuls aus Deutschland dazu, wird dies in 2026 zu einer spürbar besseren Wirtschaftsentwicklung im Währungsraum führen."

JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:

"Zum Jahresausklang bleibt es konjunkturell betrüblich in Deutschland. Wir hatten nach den jüngsten Zahlen zum Auftragseingang mit einer Verbesserung der Lage gerechnet. Da gab es nur eine Stagnation. Die wirkliche Enttäuschung aber bleibt der erneute Rückgang der Erwartungen. Vermutlich spielen hier die Signale aus Berlin eine große Rolle. Die Politik liefert nicht, teilweise agiert sie sogar realitätsblind. In früheren Konjunkturzyklen half in ähnlichen Phasen oft der Erfolg der Industrie auf den Exportmärkten. Davon kann dieses Mal keine Rede sein. Die Mehrzahl der Prognosen für 2026 zielt auf eine Wachstumsbelebung ab, geschönt zudem durch den positiven Kalendereffekt. Nach den Zahlen von heute und den gestrigen Einkaufsmanagerindizes muss man aber sagen: Es geht weiter im alten Trott. Schon das Auftaktquartal 2026 droht zu einer Nullnummer zu werden."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

"Das Ifo-Geschäftsklima ist bereits den zweiten Monat Folge gefallen und liegt nun etwas unter dem Höchststand von August. Offenbar leidet die Stimmung der Unternehmen darunter, dass es im Herbst anders als von der Regierung angekündigt nicht zu wirtschaftspolitischen Reformen in der Breite gekommen ist. Das schwächt die Wirkung des Fiskalpakets der Regierung. Die meisten Konjunkturprognosen für 2026 sind mit Abwärtsrisiken verbunden."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE PRIVATBANK:

"Das Stimmungsbild fühlt sich nach Graupensuppe statt Festtagsbraten an. Der Zauber der Weihnacht hat das Geschäftsklima jedenfalls nicht erfasst. Dass die Erwartungen sogar gefallen sind, ist ein schlechtes Zeichen. Auf dem tiefen Stimmungsniveau ist von Aufbruchsstimmung nichts zu sehen. In einem Umfeld ohne echte Standortpolitik ruhen Hoffnungen daher weiter auf dem Fiskalpaket. Wenn das Fiskalpaket investiv nicht zündet, wonach es derzeit aussieht, bleibt es nur bei einem konjunkturellen Strohfeuer. Angesichts anhaltender Wettbewerbsnachteile werden sich Unternehmen weiter mit Abwanderung beschäftigen."

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