Berlin, 08. Apr (Reuters) - Der Abschluss der laufenden Freihandelsverhandlungen könnte einer Studie zufolge die Wirtschaft in der EU anschieben und die negativen Folgen der US-Zölle ausgleichen. Je nach Vereinbarung der neuen Handelsabkommen würde sich die Wertschöpfung in der Industrie dauerhaft um bis zu 1,1 Prozent erhöhen und die europäische Wirtschaftsleistung um 0,43 Prozent zulegen, teilte das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu einer Studie des Forschungsnetzwerks EconPol Europe mit. "Neue Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, Indien, Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den südostasiatischen Staaten könnten die europäische Wirtschaft mittelfristig wieder etwas ankurbeln, trotz der schädlichen Auswirkungen der US-Zölle auf den Welthandel", sagte Ifo-Forscherin Lisandra Flach.
Von dem Abschluss neuer EU-Handelsabkommen würden demnach alle EU-Länder profitieren. Die deutsche Wirtschaftsleistung läge mittelfristig um bis zu 0,47 Prozent höher, die von Frankreich um bis zu 0,29 Prozent und die von Italien um bis zu 0,33 Prozent. Am stärksten würden Malta (1,91 Prozent), Belgien (1,14 Prozent) und Irland (1,13 Prozent) profitieren. "Ohne neue Handelsabkommen der EU würden die US-Strafzölle die europäische Wirtschaft mit 0,08 Prozent belasten", erklärte Flach. "Besonders stark betroffen wäre die Industrie mit einem Wertschöpfungsverlust von 1,32 Prozent."
Die Analyse untersucht die wirtschaftlichen Effekte neuer EU-Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay), Indien, Australien, Indonesien, Malaysia, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Mit Mercosur, Indien, Australien und Indonesien sind die Abkommen bereits ausgehandelt und warten auf den Abschluss.
Die deutsche Wirtschaft bemüht sich, ihre Absatzmärkte und Lieferketten breiter aufzustellen. Dabei geht es vielen Unternehmen darum, sich unabhängiger vom US-Geschäft und von China aufzustellen.