Kopenhagen, 24. Mrz (Reuters) - In Dänemark wird ein neues Parlament gewählt. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hofft dabei auf eine dritte Amtszeit. Die 48-jährige Sozialdemokratin hatte die Wahl um mehrere Monate vorgezogen, um nach Einschätzung von Beobachtern von ihrer gestiegenen Popularität im Streit mit US-Präsident Donald Trump um Grönland zu profitieren. Trump hatte im Januar die Absicht erklärt, das weitgehend autonome dänische Gebiet unter US-Kontrolle zu bringen, und dabei militärische Mittel nicht ausgeschlossen. Frederiksen positionierte sich strikt dagegen. Den Wahlkampf dominierten jedoch innenpolitische Themen wie eine geplante Reichensteuer und die Einwanderungspolitik. Die Wahllokale schließen am Dienstag um 20.00 Uhr (MEZ), erste Prognosen werden kurz darauf erwartet.
Umfragen zufolge steuern die Sozialdemokraten auf ihr schlechtestes Wahlergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg zu. Zwar erholte sich die Partei seit dem Tief während der Grönland-Krise auf rund 21 Prozent, das linksgerichtete Lager dürfte mit voraussichtlich 85 Mandaten jedoch die absolute Mehrheit im 179 Sitze zählenden Parlament (Folketing) verfehlen. Dennoch gilt Frederiksen als Favoritin, da der von Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen geführte rechte Block zersplittert ist. Zum Zünglein an der Waage könnte der zentristische Außenminister Lars Lökke Rasmussen werden. Der ehemalige Regierungschef strebt nach eigenen Worten keine dritte Amtszeit an, will aber mögliche Koalitionsverhandlungen leiten. "Im Grunde geht es darum, dass Dänemark sich auf eine Welt vorbereitet, die weitaus unsicherer ist, als wir es in der Vergangenheit gewohnt waren", sagte Rasmussen bei der Stimmabgabe.
Frederiksen führt Dänemark seit 2019 und bildete zuletzt die erste lagerübergreifende Koalition seit mehr als 40 Jahren. Im dänischen System muss eine Regierung keine eigene Mehrheit haben, sie darf lediglich keine Mehrheit gegen sich haben. Insgesamt treten zwölf Parteien bei der Wahl an. Als entscheidend könnten sich die vier Mandate erweisen, die für Kandidaten aus Grönland und den Färöer-Inseln reserviert sind. Beobachter achten besonders auf die Ergebnisse aus Grönland: Dort könnte die Regierungskoalition zerbrechen, während Dänemark gleichzeitig mit den USA und grönländischen Vertretern über die künftige strategische Ausrichtung verhandelt.